04 Nov

First International Sketchnote Camp – Nachlese

150 Visualisierer aus aller Welt – Sketchnoter, Graphic Recorder und Visual Facilitators – fanden sich am 23. September 2017 in Hamburg zusammen. Auf dem ersten Internationalen Sketchnote Camp #isc17HH tauschten sie Wissen und Erfahrung aus.

Globale Community

Sketchnotes – visuelle Notizen aus Bild und Text – haben inzwischen weltweit Anhänger gefunden. Über die Sozialen Medien stehen Menschen, die sich dafür interessieren, schon seit Jahren in Kontakt und haben eine gobale Community aufgebaut. Via Twitter, Instagram, Facebook, Youtube und Blogs teilen sie ihr Wissen und arbeiten daran, die Technik des Visualisierens zu verbreiten.

Ich selbst kam vor gut drei Jahren zu Sketchnotes: Ich fand eine Twitter-Community, die unter dem Hashtag #todaysdoodle täglich kleine Zeichnungen teilte, Challenges miteinander austrug und diskutierte. Meinen Weg vom ersten Tag zum professionellen Arbeiten habe ich in diesem Vortrag nachgezeichnet. Darin erkläre ich auch, was Sketchnotes sind.

 

Von der Idee zur Tat

Mit Ideen ist das so eine Sache: In meiner Ausbildung zur Redakteurin sagte mir ein Profi mal: „Ideen gehören der Welt. WER sie umsetzt, spielt keine Rolle“. Ich machte mir damals Sorgen, was mit meinen Themenvorschlägen passiert – beziehungsweise eigentlich darum, ob sie mir nicht von anderen „geklaut“ werden könnten.

Daher denke ich, dass die Idee zu einem weltweiten Treffen in vielen Köpfen bereits existierte. So, wie die Idee innerhalb der deutschen Sketchnotes-Community, ein gemeinsames Forum zum professionellen Austausch zu schaffen. Was ich dann als erste gemeinsam mit Kathrin Werner in Form der Gruppe Sketchnotes Germany umgesetzt habe. Im Falle des Sketchnote Camps sprach Mike Rhode den Gedanken als erster laut aus und Katharina Theis-Bröhl schlug Hamburg als Ort vor. In Diana Meier-Soriat, Marianne Rady und mir fand sie Mitstreiterinnen für die Organisation des Events.

Von links: Marianne Rady, Andrea Brücken, Diana Meier-Soriat, Katharina Theis-Bröhl. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

 

Details, Details, Details

So ein Event zu organisieren, wenn alle in Vollzeit beschäftigt sind und in verschiedenen Städten wohnen, ist eine echte Herausforderung. Wir haben uns möglichst agil und fast ausschließlich online organisiert: mithilfe von Facebook, Trello, Whatsapp, Dropbox, Google-Hangouts und Mails. Nach der Brainstorming-Phase begann die Arbeit: Zunächst mussten Sponsoren gefunden werden. Ein Dank geht noch einmal an diese, denn ohne finanzielle Unterstützung ist so eine Veranstaltung nicht zu stemmen.

Dazu kam die Organisation des Ticketings für drei verschiedene Veranstaltungen: Workshops & Get-together am Freitag, Barcamp am Samstag, Abschlussdinner am Samstag. Einsammeln der Sketchnote-Selfies aller Teilnehmer für ein gedrucktes Buch. Absprachen mit Sponsoren für Büchertische, Verpflegung und Räumlichkeiten. Beantworten zahlloser E-Mails mit Fragen und zum Klären von Problemen.

Die Tickets waren schon am ersten Abend nach Veröffentlichung ausverkauft, wir haben dann kurzfristig noch zusätzliche Plätze geschaffen. Erneute Absprachen, ständige Kalkulation der Kosten, die Community auf dem Laufenden halten, Website pflegen und und und … Es genügt wohl, zu sagen, dass ich am Tag nach dem Camp einfach nur ermattet auf mein Sofa gefallen bin. Ein Zustand, der noch eine Weile anhielt …

 

Ein Tag würde nicht reichen

Es war von Anfang an klar, dass wir nicht nur einen Tag als Event-Zeitraum anbieten konnten. Für die internationalen Gäste musste ein Anreiz geschaffen werden, sich auf die Reise zu begeben. Daher haben wir für Freitag zusätzlich Workshops und ein Get-together auf die Agenda gesetzt. Eine kleine Gruppe von Gästen traf sich sogar schon am Donnerstag in der Hochschule Bremerhaven zum Austausch. Am Sonntag nach dem Camp verabredeten sich etliche Teilnehmer aus Eigeninitiative zum Frühstücken und fürs Sight-Seeing in Hamburg.

Freitag im Zeichen von Workshops

Am Freitag empfand ich das große „Hallo“ als überwältigend. Ich habe viele Menschen, mit denen ich seit Jahren online verbunden bin, zum ersten Mal „in echt“ gesehen. Zig‘ Umarmungen, Geschenke und Dankeschöns hielten mich auf Trab.

Gruppenfoto vom Freitagabend. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Außerdem hat man als Organisator immer etwas zu regeln – in diesem Fall das Einrichten der Räume, Betreuung der Workshop-Geber, Aufstellen von Essen und Getränken. Daher habe ich zwar Zeit gefunden, ein paar Fotos zu schießen, konnte aber nicht an den Workshops teilnehmen.

Weitere Fotos vom Freitag übrigens hier – beim Teilen bitte „CC-BY 4.0 Thomas Dick“ hinzufügen.

Samstag – das Camp

Die Einladung „Come in and leave your footprint“ war wörtlich gemeint. Und so wurde sie auch verstanden. 150 Teilnehmer aus 18 Ländern gestalteten den Tag. Es gab 35 Sessions zu verschiedensten Aspekten des Visualisierens: darunter Vorträge zum Graphic Recording, zu Reise-Sketchnotes, zum analogen und digitalen Sketchnoten mit unterschiedlichen Tools, die Anwendung von Sketchnotes in verschiedenen Berufen/Branchen, Einsatz von Sketchnotes zum Problemlösen, zum Sprachenlernen, auf Whiteboards und vieles mehr.

Einladungsaufsteller – Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Es gab genügend Raum und Zeit zum Netzwerken, man konnte Neuland-Stifte ausprobieren und an den Büchertischen stöbern. Nicht zu vergessen die Signierstunden mehrerer Autoren. Überhaupt erinnerte das Herumreichen von Sketchbooks mit der Bitte, sich darin zu verewigen ein bisschen an die Schulzeit, als wir Poesie-Alben geführt haben …

Die Zusammenarbeit mit dem Team vom Dialoghaus war hervorragend und ich glaube, alle fanden die Location genauso großartig wie wir Organisatorinnen. Ein besonderer Dank geht übrigens noch einmal an unsere freiwilligen Helfer Ayoka, Florian, Kathrin, Mareike, Sabine und Susanne.

Weitere Fotos vom Samstag übrigens hier – beim Teilen bitte „CC-BY 4.0 Thomas Dick“ hinzufügen.

Das Dialoghaus in der Speicherstadt vor unserem Event Foto: Andrea Brücken

Nach dem Camp ist vor dem Camp

Unsere Hoffnung war, dass sich jemand findet, der das zweite Internationale Sketchnote Camp organisiert. Und die wurde nicht enttäuscht: Luis Gonzaga aus Portugal zeichnet als Organisator. In Kürze wird sich herausstellen, ob das zweite Camp in 2018 oder in 2019 stattfindet – wir warten noch auf die Ergebnisse einer Umfrage, die Luis gleich nach dem #isc17HH gestartet hat. Den Verteiler für den Newsletter geben wir an Luis weiter, wer sich noch eintragen will, macht das hier über unsere Website.

Luis verkündet, dass er das nächste Sketchnote Camp organisieren wird. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Bisherige Blogposts zum Camp:

Neuland

Sketchnote-Love

Werkstattmeister für Wissensarbeiter

Katjasays

Sketchnotes by Diana

Sketchnote Army Podcast

11 Sep

Federmappe reloaded – das Rollgut

Ein kleines Start-Up namens Rollgut ist gerade in ein Kickstarter-Crowdfunding gegangen. Für Sketchnoter ist die runde Holzschatulle mit einrollbarem Papierfach ein interessantes Set für unterwegs.

Was ist ein „Rollgut“?

Das Rollgut ist eine längliche Holzbox mit rundem Querschnitt. Es ist innen ausgehöhlt, so dass man dort Stifte und/oder andere kleine Dinge drin unterbringen kann. Bei der Anlieferung fand ich eine Nähnadel mit Faden, eine Büroklammer und einen Stift in der Box. 

Das Holz stammt von Buche, Elsbeere und Olive aus europäischer Forstwirtschaft. Abmessungen der Holzschatulle: 18 cm Länge, 3,5 cm Durchmesser. Der ausgesparte Innenbereich hat 15 cm Länge und 2,5 cm Durchmesser. Um die Holzschatulle herum befindet sich ein Metallring, den man verschieben kann. Das ist sehr clever gedacht. Man verschiebt den Ring an den Rand, legt die Stifte rein und positioniert den Ring dann wieder mittig damit die Stifte nicht herausfallen können. Der elastische Gummiband-Verschluss ist sehr stabil, die Ummantelung besteht aus Segeltuch.

 

Sketchnote Reise-Set passt

Ich habe mein aktuelles Sketchnote-Reise-Set, bestehend aus einem SketchOne und zwei FineOne von Neuland – einer farbig, einer Grau für Akzente und Schatten – in die Box gepackt. Dann habe ich noch einen MicronPigma Fineliner und zwei Pitt Artist Pens ausprobiert. Drei Stifte gehen auf jeden Fall und damit ist des Sketchnoters Mini-Set für unterwegs untergebracht. Ein vierter Stift hat bedingt Platz. Die Kappen der Pitt Artist haben im Gegensatz zu den FineOne eine Klammer – mit einem vierten Stift, zum Beispiel einem Fineliner in anderer Strichstärke wird es dann schon eng im Rollgut. Geht aber.

Welches Papier geht?

Geliefert wurde das Teststück mit sehr dünnem Papier. Vergleichbar dem, das man in einigen Moleskine-Büchern und auch im Sensebook vorfindet. Das Moleskine hat oft 70 g/m², das Sensebook 80 g/m². Mir persönlich ist das zu dünn, weil zum einen alle Stifte, die ich verwende, durchbluten. Zum anderen mag ich die damit verbundene glatte Struktur nicht.

 

In der Regel zeichne ich in Canson-Notizbüchern, die alle 120 g/m² aufzuweisen haben. Je dicker das Papier, desto sperriger wird natürlich das Aufrollen der Blätter, die man ins Rollgut einklemmt. Das geht übrigens so: An der Seite der Holzschatulle befindet sich ein metallischer “Knopf”. Drückt man diesen, hebt sich die Klemme für das Papier. Man kann dann bequem die Papierbögen einspannen. Zusätzlich befinden sich auf der Innenseite der rollbaren Außenhülle aus Stoff zwei kleine dreieckige Taschen, in denen man die Papierblätter fixiert.

Die Federmappe neu gedacht

Rein optisch hat mich das Rollgut sofort an die Schulzeit erinnert. Meine Generation ist mit Federmappen aufgewachsen, von denen eine Variante eine runde Lederrolle war. Dort passten Bleistifte, Füller, Radiergummi, Tintenpatronen und sogar ein kleines Lineal hinein. Das Rollgut ist zwar nicht so geräumig, erinnert aber in der Form, Machart und Haptik sehr stark an die gute alte Federtasche. Die Materialien sind hochwertig und ästhetisch.  

Kickstarter-Kampagne

Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis zum 3. Oktober 2017 17:28 Uhr CEST – wer das Projekt also unterstützen möchte und sogar Besitzer eines Rollgutes werden möchte: Bitte hier entlang.

 

Fragen an den Gründer Thomas Sommer

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Rollgut zu entwickeln und daraus ein Start-Up zu machen?

Thomas Ich war mit Smartphones und digitaler Revolution sehr erwartungsvoll. Es gab diese Riesensmartphones mit Stift und ab da wollte ich alles nur noch darauf zeichnen und notieren. Oft war es dann eher anstrengend als entspannend. Irgendwann, nach einigen Jahren, fing ich wieder an auf Papier zu zeichnen so wie davor und merkte „das ist so schön simpel und funktioniert“. Ab da hatte ich wieder Papier dabei, das ich einfach um Stifte gewickelt in die Hosentasche packte.

Dann kam dieser Klick-Moment: Ich dachte ‘‘Nimm‘ doch ein Röhrchen, wickel‘ das Papier darum und leg‘ die Stifte da rein. Dann bleibt das Papier glatt und die Bleistife brechen nicht mehr ab!“ Ich bin sofort in die Werkstatt. Als gerade dieses Röhrchen zurechtgesägt war, kam der nächste Gedanke: „Ach, mach doch noch so einen Deckel drauf, dann fallen die Stifte nicht raus“, . . . Ach, mach doch jetzt auch noch ein Stück Plane dran, dann ist das Papier schmutzgeschützt!“ So entstand an einem Abend im Freestyle das allererste Ding, das irgendwie auch schon ein Rollgut war.

Für wen ist das Rollgut interessant und warum?

Thomas Rollgut ist aus der Praxis entstanden und somit in erster Linie auch für Praktiker gemacht! Für Menschen, die die Einfachheit und die motorischen Eigenschaften von Papier schätzen und anwenden: Kreative, Visuelle Denker, Sketchnoter und Ingenieure, Kinder und Studenten – weil Motorik Lernprozesse unterstützt. Nicht zuletzt aber auch für Geschäftsleute, die sich in Meetings Notizen machen wollen ohne die Ablenkung eines elektronischen Gerätes. Es ist ne Art iPhone für Papier. Eine Papier-App mit echtem Papier!

Woher hat das Holz ein Öko-Siegel? Und wie verhält es sich mit dem Herstellernachweis zum Stoff des „Wraps“?

Thomas Unser Lieferant für Holz hat ein FSC-Zertifikat. Der Lieferant für das Leder auf Papierbasis hat sowohl ein FSC- als auch ein Ökotex-Zertifikat. Das Segeltuch ist Ökotex-zertifiziert. Zwar hab ich die ausdrückliche Erlaubnis beider Lieferanten die Zertifikate anzugeben, jedoch bewegen wir uns in einer Grauzone, solange wir nicht eigens für Rollgut Zertifikate besorgen. Rollgut ist mit bestem Gewissen also nur aus zertifizierten Rohstoffen gefertigt. Auf Edelstahl gibt es – meines Wissens nach – keine besonderen Zertifikate und abgesehen von den Magneten und etwas Pflanzenwachs zum Schutz des Holzes fügen wir keine Zutaten hinzu.

 

06 Aug

Visualisieren in der logopädischen Praxis #SNDE

Nachgereicht: am 26. Mai habe ich bei ununi.TV einen Livetalk zum Visualisieren in der Praxis moderiert. Mein Gast war die Logopädin Ayoka Kaiser.

Das Thema

Eine Logopädin setzt Bildsprache im therapeutischen Bereich ein. Logopäden arbeiten in der Kindertherapie oft mit selbstgemalten Bildern, Ayoka Kaiser nutzt sie auch in der Förderschule und der Stimmtherapie.

Zum Hintergrund: Der Kontakt entstand über die Facebook-Gruppe Sketchnotes Germany, einem Forum für fachlichen Austausch zu Sketchnotes, das von der Moderatorin Anfang des Jahres eingerichtet wurde. Ayoka Kaiser ist dort Mitglied und zeigt oft Visualisierungsbeispiele.

Der Gast

Ayoka Kaiser lebt in Marburg und arbeitet als logopädische Stimmtherapeutin, als Stimmbildnerin für die Sprech- und Singstimme und als Chor- und Singkreis-Leiterin. Sie gibt Workshops, bietet Einzelarbeit mit Sprechberuflern an und hält Vorträge.

Zudem ist sie eine begeisterte Doodlerin und Sketchnoterin. In ihrer therapeutischen Arbeit hat sie inzwischen vielfältige Möglichkeiten gefunden, das Zeichnen mit einzubinden.

Das Format

Nach einer Reihe von Live-Videos zum Thema Visual Literacy auf ununi.TV in 2015 mit Gesprächspartnern aus dem internationalen Raum hatte ich eine Pause eingelegt, um mich in die Technik zu Sketchnotes zu vertiefen und meinen professionellen Auftritt auszubauen.  Zurzeit aktualisiere ich meinen Online-Kurs Sketchnoting Basics für FLOWCAMPUS/ununi.TV.

Über die Live-Interviews möchte ich der Sketchnote-Bewegung auch in Deutschland mehr Türen öffnen. Visualisierungstechniken sind eine Schlüsselkompetenz im digitalen Zeitalter.

14 Mai

Rezension: Sketchnotes für Alles

Buch Visuelle Notizen Nadine Roßa

Visuelle Notizen für Alles – mit diesem Titel stellt Nadine Roßa ihr Sketchnote-Buch für Einsteiger vor. Es folgt eine Reise durch alle Grundlagen mit vielen anschaulichen Illustrationen.

Das wundert nicht, denn Nadine ist von Haus aus Grafikerin und Illustratorin. Auf Sketchnotes ist sie relativ spät in ihrer beruflichen Laufbahn durch Eva-Lotta Lamm aufmerksam geworden. Die Visual Designerin hat Kommunikationsdesign studiert, lebt in Berlin und schreibt den Blog für Design made in Germany.

Cover Sketchnotes für Alles

Cover: Sketchnotes für alles von Nadine Roßa

Warum Sketchnotes

Das Buch beginnt mit den Fragen, die sich Menschen immer stellen, wenn sie noch nie von visuellen Notizen gehört haben: Was sind Sketchnotes, warum sind sie sinnvoll und wofür kann man sie einsetzen?

Wir „alten Hasen“, die schön länger visuelle Notizen erstellen, wissen es natürlich längst: Zweidrittel aller Informationen nehmen Menschen über die Augen auf. Visuell gestützte Informationen merken wir uns besser, das „Mitzeichnen“ fördert außerdem das Aktive Zuhören. Durch das Beschränken auf Kerninformationen hilft Sketchnoting darüber hinaus, das Wesentliche prägnant darzustellen.

Viele Beispiele

Nadine macht dann auch gleich Vorschläge für die Anwendung: Blogposts, Gebrauchsanleitungen, Präsentationsvorbereitung, Postkarten aus dem Urlaub und Reisetagebuch, Einladungen, Neujahrsvorsätze und noch viel mehr.

Ihre Vorschläge sind gleich mit je einem Beispiel bebildert. Bevor man Seite 30 mitsamt der Materialkunde erreicht, ist bereits genügend Zeit, sich an visuelle Notizen zu gewöhnen. Das erste Kapitel endet mit dem ABC der Stifte, Papier und Apps für digitales Arbeiten und fällt knapp aus – für den Einsteiger reichen die Hinweise aber aus.

Inhaltsverzeichnis Sketchnotes für Alles

Die Basiselemente

Im zweiten Abschnitt geht es zunächst um das visuelle Alphabet. Nadine erwähnt Sunni Brown und Ed Emberly, von denen sie sich die Grundelemente „abgeguckt“ hat: Punkt, Linie, Winkel, Bogen, Kreis, Welle, Spirale. Diese Basiselemente finden auch bei Mike Rohde und anderen visuellen Praktikern Erwähnung.

Eine Symbolbibliothek legt sich jeder zu, der regelmäßig Sketchnotes nutzt. So eine Bibliothek lässt sich übrigens in einem speziellen Buch oder auch digital führen, zum Beispiel in einem Tool wie Evernote oder in einem Cloudspeicher wie Dropbox. Es folgen dann im Buch die obligatorischen Beispiele für die Sketchnote-Elemente Container, Rahmen, Pfeile und Aufzählungszeichen.

Menschen und Figuren

Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Zeichnen von Menschen. Erfahrungsgemäß fällt dies vielen am Anfang schwer. Nadine stellt daher Gesichtsformen, die Position und Form der Augen und Ohren und mögliche Frisuren vor. Für die Darstellung von Emotionen hat sie die einfache Gesichtsmatrix von Austin Kleon, Autor des Buches „Steal like an artist“ mit neun Gesichtsausdrücken eindrucksvoll auf 70 erweitert.

Danach geht sie kurz auf Strichmännchen ein. Besonders gefällt mir, dass Nadine die Gelenke und Körperachsen anspricht. Beachtet man deren natürliche Stellung anstatt Figuren mit geraden Beinen und Armen zu zeichnen, dann lassen sich Bewegung und Körperhaltungen sofort authentisch und ausdrucksstark darstellen.

Beispielseite Sketchnotes für alles

Blick ins Buch (Quelle: Nadine Roßa)

Was man noch wissen muss

Auch die Akzente und Schattierungen finden eine kurze Erwähnung bevor es mit den Grundlagen zu Struktur und Aufbau weitergeht. Und schon befinden wir uns in der visuellen Hierarchie: Durch die Größe von Elementen, die Farbe, gesetzte Kontraste, Platzierung auf dem Blatt und die Typographie legt man die Wichtigkeit der Informationen fest.

Schließlich geht es noch um das Lettering und das Zeichnen von Schrift. Sehr schön: am Ende des Buches befinden sich einige Interviews mit Sketchnotern – in Form von Sketchnotes. So bekommt man abschließend einen Eindruck davon, wie unterschiedlich visuelle Notizen gestaltet werden können.

Fazit

„Visuelle Notizen für Alles“ eignet sich zum einen als Arbeitsbuch für Anfänger: Wer sich bestimmte Themen zum Üben vornimmt, kann diese anhand der Erklärungen und Beispiele in kleinen Schritten durcharbeiten. Zum anderen eignet es sich als „Sicherheitsleine“, wenn man mal keine Idee für ein Element hat, das man zeichnen möchte. Natürlich kann man sich aus dem Buch auch viele Anregungen für die eigene visuelle Bibliothek und die Gestaltung eigener Sketchnotes holen.

Sketchnotes
Visuelle Notizen für Alles
Nadine Roßa, 1. Auflage 2017

144 Seiten, Softcover, zweifarbig

Buch 16,99 €
Kindle 13,99 €

ISBN 978-3772482403

frechverlag GmbH

Amazon: Sketchnotes: Visuelle Notizen für Alles: von Business-Meetings über Partyplanung bis hin zu Rezepten

 

 

 

30 Mrz

Rezension: Visual Selling

visual selling cover

Visualisierungen im Kundengespräch zu benutzen ist eine tolle Idee. Die erste Hürde ist die Frage: Kann ich das überhaupt? Man kann es zumindest lernen, wie Miriam und Marko Hamel in ihrem Buch “Visual Selling” beweisen.

Die Autoren

Miriam und Marko Hamel sind beide studierte Informationstechniker. Marko beriet und trainierte bei SAP Deutschland im Pre-Sales in den Bereichen SAP Software und Mobile Business. Außerdem ist er Spezialist für IT-Prozessoptimierung. Seit 2015 hält er Gastvorträge an der HdWM Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim zu visuellem Denken. Miriam beriet und trainierte gleichfalls bei SAP Deutschland zu IT-Sicherheitslösungen und ist als betriebliche Datenschutzbeauftragte ausgebildet. Seit 2015 hält sie regelmäßig Gastvorträge an der IUBH School of Business and Management in Erfurt zu visuellem Denken.

Das Buch

Im Vorwort finden wir zuerst Dan Roam – einen bekannter Visualisierer, Autor des Buches “The back of the napkin” und Berater von Firmen wie Google, Boeing, eBay, Microsoft, Wal-Mart und Wells Fargo. Zudem erklärt Andreas J. Wagner, derzeit Vice President SP Ariba MEE, wie es zu diesem Buch kam: Marko Hamel erhielt den Auftrag, ein Training zu entwickeln, das neue Verkaufstechniken und Storytelling miteinander verbindet. Besagtes Training diente als Grundlage für das hier besprochene Buch. Das Training war gedacht für den B2B-Software-Verkauf. Schon nach dem Durchblättern der ersten Seiten war mir aber klar, dass man aus “Visual Selling” für jede Art von Kundengespräch und Verkaufsprozess hilfreiche Tipps ziehen kann.

Man kann sich mit diesem Buch fit machen, um im Kundengespräch Fragen, Probleme, Lösungen und Arbeitsschritte visuell zu begleiten. Im Angesicht einer digitalisierten Arbeitswelt, die zunehmend zeitlich begrenzte Projektarbeit erfordert und künftig viel mehr Freischaffende mit besonderen Spezialisierungen benötigt, ist so ein Buch ein echtes Fundstück. Denn all diese Projektarbeiter*innen werden sich in Zukunft verstärkt selbst verkaufen müssen. Und wer weiß? Vielleicht geben die Autoren in Zukunft eine angepasste Fassung für die Arbeitswelt 4.0 heraus?

Kommunikation zuerst

Zurück zum vorliegenden Buch. Es ist ein Arbeitsbuch mit vielen Templates, zu denen man mit dem Kauf auch einen Online-Zugriff auf PDF-Downloads erhält. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Visualisierung geht es gleich los mit Tipps zum Auflockern und Vorbereiten auf Gespräche. Ganz im Sinne eines Storytellings führt uns der Charakter Tom Sieger (ja, ich habe auch geschmunzelt) durch grundlegende Kommunikationstechniken.

Als zertifizierter Coach erkenne ich gleich, dass es sofort am Anfang um eine kleine Bestandsaufnahme meiner Gesprächsführungs-Kompetenzen geht. Ein kurzer Blick in das Nachwort bestätigt meine Vermutung, dass im Buch mit den Persönlichkeits- und Verhaltenstypen nach DiSG gearbeitet wird. Dieses Modell basiert auf einer Typologie von William Moulton Marston aus dem Jahr 1928 und war vor knapp zehn Jahren noch Teil der Standardausbildung als Coach. Es klassifiziert nach einem groben Raster Persönlichkeitstypen und Verhaltensmuster und dient in vielen Coaching-Prozessen als Grundlage oder Teilschritt zum Festlegen von Parametern im Entwicklungsprozess von Personen und Unternehmen.

Da ich nicht mehr als Coach arbeite, kann ich nicht sagen, ob es neuere und “bessere” Modelle in den aktuellen Ausbildungen gibt. Ich möchte das Modell auch nicht bewerten – es ist im Rahmen von Trainingskonzepten ein bewährter Bestandteil, der sich vielfältig einsetzen lässt.

 

Inhaltsübersicht. Mit freundlicher Genehmigung durch Autoren & Verlag

 

Gedanken strukturieren

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Macht der Bilder und fordert zum Anlegen einer visuellen Bibliothek auf – in diesem Rahmen wird das “IdeaPix” genannt. Der Fokus liegt natürlich auf Bildern im Rahmen des Vertriebs: Ein bestehendes Bildvokabular erlaubt es, dem potenziellen Kunden unmittelbar Gedanken und Ideen zu visualisieren. Dazu gibt es Anreize, sich mit spontaner Visualisierung zu beschäftigen. Auch hier findet sich das DiSG-Modell, damit man einen guten Zugang zur eigenen Art des Visualisierens findet. Hinweise zu Strukturierung, Grids, Einsatz von Schrift und Farbe runden das Kapitel ab.

Der Vertriebszyklus

Kunden verstehen setzt aktives Zuhören voraus. Das ist keine neue Weisheit, trotzdem findet sich allzu oft in jeder möglichen Form des Marketings (online und offline) immer noch der alte Weg: One-Way-Communication. Sprich: Ich verkauf dir mal was, hier ist mein Produkt. Friss oder stirb. Wir werden nicht nur in den Neuen Medien mit Bildern überschwemmt. Daher ist ein Kapitel wie dieses dritte mit der Aufforderung zum Dialog natürlich ein hervorragender Ansatz: Moderne Verkaufsmethoden mit Kundenzentrierung durch eine zeitgemäße Kommunikationstechnik wie der des Visualisierens zu stützen.

Dieses Kapitel geht sehr intensiv auf die praktische Gestaltung von Dialogen ein und ist das umfassendste im Buch. Es thematisiert den Vertriebszyklus, behandelt die Befragung zur Herstellung eines gemeinsamen Kontextes, analysiert das Verstehen von Aktionen und geht auf Begriffe wie Werte, Identität, Wunsch, Problem und Lösung ein. Der Perspektivenwechsel kommt zur Sprache sowie der Einsatz von Diagrammen. Natürlich geht es auch um das Storytelling und wie man es im Verkaufsprozess einsetzen kann. Das Kapitel schließt mit einem Visualisierungsbeispiel für einen kompletten Business Case.

 

 

Digitale Welt

Kapitel 4 stellt im Ansatz die Möglichkeiten der digitalisierten Welt vor, zum Beispiel die Nutzung von Online-Meetings. Wie richtet man Kamera und Beleuchtung als Moderator / Präsentator gut ein? Es gibt Tablets! Keine Angst, auch damit kann man arbeiten. Enthalten sind grundlegende Tipps für den Einsatz von geeigneter Technik.

Fazit

Man muss kein Anhänger oder Gegner bestimmter Methoden sein: Wenn sie sich im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sinnvoll einsetzen lassen, ist das aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Hier liegt uns ein Arbeitsbuch vor, das sich mit dem Einsatz von Visualisierungen für ein spezielles Gebiet beschäftigt: Der Gestaltung eines erfolgreichen Kundengespräches für den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen.

Als professionelle Sketchnoterin empfinde ich die Visualisierungen als hervorragend schlicht und handlich. Auf Schnörkel und Schönzeichnungen wird verzichtet. Es geht einzig darum, Menschen an die Technik des Visualisierens heran zu führen. Gestützt wird dies durch Templates, die man leicht nachzeichnen oder sogar herunter laden kann.

Dass die Autoren aus ihrem Wissen eine Marke gemacht haben, verwundert nicht. In einer aktualisierten Ausgabe würde ich mir lediglich etwas tiefergehende Erklärungen zum Einsatz von digitalen Tools wünschen.

 

 

Visual Selling – Das Arbeitsbuch für Live-Visualisierungen im Kundengespräch

Miriam & Marko Hamel, 1. Auflage 2016

224 Seiten, Softcover, Wiley-VCH Verlag & Co. KGaA, Weinheim

 

Buch 22,80 € beim Verlag bestellen

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ISBN: 978-3-527-50885-3

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