30 Jan

Sketchnotes öffentlich zeigen?

Sketchnotes öffentlich zeigen

Öffentlich oder geschlossen? Mit dieser Frage sah ich mich kürzlich konfrontiert, als es um das Einrichten einer Fachgruppe zu Sketchnotes auf Facebook ging. Nun plane ich eine zweite Gruppe auf XING. Und auch diese wird öffentlich sein. Aus Gründen.

Optionen für Gruppen auf Facebook

Facebook bietet für die Privatspähren-Einstellung von Gruppen drei Optionen an.

  1. GEHEIM
  2. GESCHLOSSEN
  3. ÖFFENTLICH

Die Option “Geheim” impliziert, dass ausschließlich Gruppenmitglieder Daten und Postings von anderen ansehen können. Der Unterschied zwischen “Geschlossen” und “Öffentlich” ist aus Facebook-Sicht minimal: Postings in geschlossenen Gruppen tauchen nicht im allgemeinen Stream auf und sind in der allgemeinen Suche nicht auffindbar. Sobald man Mitglied einer Gruppe ist, sind aber alle persönlichen Daten und Äußerungen für jedes Gruppenmitglieder sichtbar.

Fakt ist also: Sofern es nicht ein rigides Gruppen-Management gibt, kann quasi jede*r einer Gruppe beitreten und dann alles sehen, was jemand dort macht.

Offenheit: gelernt im internationalen Kontext

Ich hatte meine ersten Sketchnotes auf dem Barcamp Bielefeld gesehen und vor meinen eigenen ersten Gehschritten sogar Anna Lena Schiller über das Graphic Recording  in einem Live-Video auf ununi.TV interviewt. Dazu kamen dann zügig andere Interviews zum Thema Visual Literacy.

Wenn ich meinen persönlichen Werdegang im Bereich Sketchnotes betrachte, dann muss ich sagen, dass ich als Sketchnoter in der internationalen Community “geboren” wurde. Unter dem Hashtag #todaysdoodle auf Twitter fand ich nicht nur Diskussionspartner zum Thema, sondern konnte über tägliches Zeichnen meine Skills entwickeln. Auf diversen Barcamps habe ich innerhalb der letzten zwei Jahre darüber berichtet.

Im englischsprachigen Raum weltweit sind Sketchnotes schon seit über zehn Jahren fest etabliert. Der Austausch unter Sketchnotern ist dort frei und flüssig: Beispiele aus der täglichen Arbeit über Social Media-Kanäle zu zeigen und auch Fragen zu stellen mit Blick auf Techniken und Anwendung ist in anderen Ländern offensichtlich selbstverständlich.

Deutsche Sketchnoter sind aktiv 1

Viele deutsche Sketchnoter, die intensiv an dem Thema hängen, haben sich inzwischen an die internationale Community angedockt. Das zeigten auch die Tweets zum World Sketchnote Day, der jährlich von Mauro Toselli und Mike Rohde am 11. Januar veranstaltet wird. Laut Mauros Auskunft ist Deutschland der zweitgößte Markt für den Verkauf von Publikationen zu Sketchnotes aus dem englischsprachigen Raum.

Innerhalb der deutschen Community gibt es einige “Early Adopter”. Zunächst diejenigen, die visuelle Techniken schon seit zehn Jahren benutzen. Dann diejenigen, die innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre Sketchnotes für sich entdeckt haben und daraus ein Business machen wollen. Es gibt die ersten deutschsprachigen Bücher für Einsteiger. Und vereinzelt auch Angebote zum Erstellen von Erklärvideos, Einführungen in Lettering und Techniken wie Aquarell oder Tinte. Dazu natürlich meinen On-Demand Kurs für Anfänger, der gerade nochmal überarbeitet und aktualisiert wird.

Deutsche Sketchnoter sind aktiv 2

Aus meinen Offline-Bezügen weiß ich mit Sicherheit, dass Sketchnotes von einer Menge Menschen genutzt werden ohne dass die Betreffenden sich in Social Media exponiert darstellen. (Oder überhaupt online agieren)

Darüber hinaus gibt es auch einfach viele Anwendungsgebiete wie zum Beispiel das Dokumentieren von Meetings oder Kundengesprächen, die man nicht öffentlich zeigen will, selbst wenn man in Social Media aktiv ist. Weil sie Interna in Unternehmen betreffen, die man nicht kommunizieren darf oder will. Ich selbst habe einige solcher Sketchnotes, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.

Warum also öffentliche Sketchnotes?

Skechnotes – visuelle Notizen – sind nicht nur einfach eine Technik. Dahinter steht eine Bewegung. Sunni Brown hat es als Erste perfekt formuliert: Die “Doodlerevolution” ist eine globale Kampagne für “Visual Literacy”. Literacy bedeutet übersetzt: “die Fähigkeit zu lesen” oder auch “Lese- und Schreibfähigkeit”. Hängt man das “Visual” ran, dann kommen wir auf die Fähigkeit, visuell zu lesen und zu schreiben.

Weltweit läuft klassische Bildung so: man lernt gleich im ersten Schuljahr das Lesen und Schreiben. Buchstaben und Schrift. Man lernt aber nicht das Zeichnen. Um dem “Natürlich Kreativen” der Kinder gerecht zu werden,  wird ein bisschen gebastelt, der Kopf wird getätschelt und dann gehen wir ganz schnell zum standartisierten Bildungssystem über: Schrift. Wenn du nach den ersten Jahren in der Schule immer noch “kritzelst”, wirst du aber zügig und energisch ermahnt und abgestraft.

Irgendwann in der Mittelstufe des deutschen Bildungssystems (und sicher auch in anderen Ländern weltweit) kommt dann das Fach “Kunst”. Ab da wird Zeichnen erhöht, als besondere Fähigkeit eingeordnet und gleichzeitig in eine exklusive Kompetenz-Ecke geschoben. Hast du Talent? Ah, gut. Dann mal los, beweis dich. Wer als Jugendlicher genügend Standhaftigkeit hat, versucht sich immerhin an Grafik-Design oder vergleichbaren Berufen und landet oft in prekärer Berufslage. (Nicht umsonst gibt es die Künstlersozialkasse in Deutschland).

German Angst

Anja C. Wagner, die einen scharfen Blick auf die deutsche Gesellschaft hat – sowohl mit Blick auf Digitalisierung als auch mit Fokus auf die Bildungslandschaft – nennt das Problem beim Namen. Ich persönlich stimme ihr zu, was die Angst generell zum Thema Digitalisierung betrifft, sehe diese Angst aber auch in der Generation unter Vierzig. Denn für die jüngere Generation ist es nicht so leicht, sich gegen die Sperren der Älteren zur Wehr zu setzen.

Pro’s & Con’s

Wer Visualsieren – und somit Sketchnotes – als etwas begreift, das als Kommunikations-Technik eingeordnet werden kann, hat gewonnen. Und wird sich nicht scheuen, die eigenen Notizen öffentlich zu zeigen.

Wer immer noch in den alten Denkstrukturen hängt und Zeichnen als Kunst ansieht, hat verloren. Und wird Sketchnotes vielleicht im persönlichen Wissensmanagement einsetzen. Er oder sie wird diese Technik aber niemals in berufliche Bezüge hineintragen oder die Idee der Sketchnote-Bewegung weiter tragen.

Das einzige Argument, dass ich bisher gegen öffentliches Zeigen von Sketchnotes gehört habe lautet: Ja, aber… man traut sich ja vielleicht nicht, seine Zeichnungen zu zeigen.

Kopf auf: es geht nicht um Schönheit in der Zeichnung. Es geht um das Transportieren von Ideen, um das Darstellen von Sachverhalten. Es geht um das Kommunizieren. Wie Mike Rohde es postuliert: Sketchnote is about ideas, not art.

Erst der Inhalt, dann die Schönheit

Rob Dimeo, den ich kürzlich exemplarisch für wissenschaftliche Sketchnotes erwähnt habe in einem Beitrag der Ausgabe 4/2016 Forum Neue Medien In Der Lehre Austria mit dem Themenschwerpunkt „Design & Usability im E-Learning“ veranstaltet an seinem Institut cirka alle vierzehn Tage ein Meeting für Mitarbeiter mit einer Hangout-Anbindung für Interessierte aus dem Web. Der vom 27.1. passt hervorragend zum Thema dieses Artikels.

Sketchnotes: Mindset zuerst

Schönheit kommt später

Also

“Frisch d’rüber hinweg! Wer nichts fürchtet, ist nicht weniger mächtig als der, den alles fürchtet.”

(Johann Christoph Friedrich von Schiller, (1759 – 1805), deutscher Dichter und Dramatiker)

03 Jan

Sketchnotes im wissenschaftlichen Kontext

Das “Forum Neue Medien In Der Lehre Austria” hat mich für einen Artikel zu Sketchnotes angefragt. In der Ausgabe 4/2016 geht es um den Themenschwerpunkt “Design & Usability im E-Learning”.  Da passt es gut, dass ich zwei Mitstreiter aus meinem Netzwerk vorstellen kann, die sich auf wissenschaftliche Sketchnotes spezialisiert haben.

Es geht los ab Seite 23

Das ganze Magazin ist wie immer sehr interessant, die Ausgabe 4/2016 ist  auf Design, Usability, UX und E-Learning im wissenschaftlichen Umfeld ausgerichtet. Mein Artikel startet auf Seite 23. Es geht kurz darum, was Sketchnotes überhaupt sind und dann stelle ich zwei Wissenschaftler vor, die das Visualisieren ganz wunderbar in ihren Arbeitsalltag integriert haben.

Rob Dimeo und die Neutronen

Robert Dimeo ist Direktor des NIST Center for Neutron Research (NCNR) in Gaithersburg, Maryland. Ich habe ihn vor zwei Jahren über Twitter kennengelernt, seitdem verbindet uns das Interesse am Visualsieren. Er fertigt ganz hervorragende wissenschaftliche Sketchnotes an, baut diese in Präsentationen ein und hat sich inzwischen nebenbei zu einem Zeichner von witzigen Comic-Figuren entwickelt.

„Interaktion & Dynamik von Proteinen in konzentrierten pharmazeutischen Rezepturen“ Mit freundlicher Genehmigung von Rob Dimeo @rob_dimeo (Twitter)

Katharina Theis-Bröhl und die Solarenergie

Auch Katharina Theis-Bröhl lernte ich über Twitter kennen. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Professorin und Dekanin am Institut für Verfahrenstechnik, Fachbereich 1 – Technik der Hochschule Bremerhaven hat sie Vorlesungsinhalte zur Solartechnik visualisiert. Ihre Sketchnotes sind besonders bunt und aussagekräftig, was erstaunlicherweise sehr gut zu den wissenschaftlichen Inhalten passt!

„Das Prinzip von Solarkollektoren“ Mit freundlicher Genehmigung von Katharina Theis-Bröhl @theiskbt (Twitter)

Visuelle Notizen passen in jeden Kontext

Wer bisher noch gezweifelt hat, ob Sketchnotes überhaupt infrage kommen um spezielle Themen visuell zu stützen, sollte jetzt damit aufhören. Wissenschaftliche Inhalte sind sehr komplex und es braucht sicher das Fachwissen des Sketchnoters, um selbige herunter zu brechen. Aber auch jeder professionelle Sketchnoter mit Erfahrung und/oder journalistischem Hintergrund kann beliebige Themen visuell umsetzen.

Interesse?

Sketchnote anfragen Sketchnote anfragen
Workshops für Wissenschaftler im Sketchnoting? Wissenschaftsthemen visualisiert als Sketchnote?
Schreiben Sie mir!

 

21 Dez

9 Icons geschenkt

9 handgezeichnete Icons auf transparentem Hintergrund, mit denen du deine Grafiken zum Jahreswechsel aufpeppen kannst. Kostenfrei und für die kommerzielle Nutzung frei gegeben.

Enthalten:

  • Sektflasche
  • Sektgläser
  • Feuerwerk
  • Luftschlagen
  • Krapfen
  • Hufeisen
  • Schornsteinfeger
  • Glücksschwein
  • Kleeblatt

PNG herunter laden, einfach in einem Bildbearbeitungsprogramm öffnen, ausschneiden, kopieren.

 

03 Dez

Arbeit & Bildung 4.0 – Projektinformation

Seit Jahren bin ich Influencer in der ununitv/FLOWCAMPUS Community. In diesem Rahmen bringe ich meine Visualisierungskenntnisse auf vielfältige Weise ein.

Dort biete ich zum Beispiel den Online-Kurs für Sketchnoting-Basics an und habe im Frühjahr 2016 die Input-Videos aus dem MOOC zur Arbeit 4.0 in Form von Sketchnotes festgehalten.

Im Dezember 2016 hat die AG Kreanet des ununitv/FLOWCAMPUS an der Veranstaltung  #NEO16x: Next Economy Open mit einem Hangout zur Situation von Ausbildung in Zeiten von Arbeit & Bildung 4.0 teilgenommen. Dieses Live-Event wurde von mir per Sketchnote visualisiert.

Die Aufzeichnung kann man sich hier ansehen.

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05 Mrz

Sketching User Experiences – Rezension

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Sketching User Experiences – Das praktische Arbeitsbuch zum Erlernen von Skteching und zahlreicher Skizziermethoden

Die Motivation von Bill Buxton, Designer und Wegweiser für Mensch-Computer Interaktion bei Microsoft Research, lag ursprünglich darin, das einfache Skizzieren als Methode für Designprozesse zu erklären. Denn seiner Ansicht nach waren viele Interaktionsdesigner, mit denen er arbeitete, nicht ausreichend visuell und zeichnerisch geschult. Das Ergebnis ist dieses tolle Handbuch, das im Rahmen vieler Prozesse zur Anwendung kommen kann, die mit dem Entwickeln von Ideen und Produkten zu tun haben.

Das Buch versammelt eine riesige Anzahl an Techniken, die sowohl die Ideenentwicklung, das Skizzieren, das Storytelling und die Prozesse im Rahmen von User Experience unterstützen – und die auch von ungeübten Zeichnern benutzt werden können.

Besonders erfreulich: tatsächlich wird in den spezialisierten Kapiteln darauf eingegangen wie man visuelle Präsentation im Rahmen von kritischem Feedback nutzen kann. Und darum geht es ja bei der User Experience: kann der Nutzer mit dem finalen Produkt leicht und einfach arbeiten oder nicht? Wie soll man das anders herausfinden, als den Nutzer zu fragen?

Schauen wir uns erstmal die Inhalte an, gegliedert ist das Buch in sechs Kapitel.

1- Einstimmung

Es geht um grundsätzliche Fragen: Was ist eine User Experience und warum eignen sich Skizzen für die alltägliche Arbeit im Designbereich? Wie sieht ein Designprozess aus? Warum ist ein Skizzenbuch sinnvoll?

Und schon gibt es drei Übungsaufgaben mit Visualisierungen. Natürlich geht es bei den Aufgaben um mobile Geräte beziehungsweise Computer. Aber ich möchte behaupten, dass man a) hierbei grundsätzlich den Designprozess versteht, nach Stuart Pugh auch “Designtrichter” genannt und b) sich selbst die Aufgaben für andere Produkte umformulieren kann.

2- Ideenfindung in der realen Welt

Scribbeln ist die Vorstufe aller Zeichnungen: in kurzer Zeit überall und jederzeit Ideen ganz simpel festhalten und sich nur auf das konzentrieren, was man für wichtig hält. Betont wird in diesem Kapitel, dass man täglich in der realen Welt viele Ideen sammeln kann. Neben Scribbles sind Fotos, Mustersammlungen von Gegenständen, Bilder und Zeitungsausschnitte ein probates Mittel für die Ideenfindung.

Buxton fordert dazu auf, sich eigene Sammelschemata aufzubauen und führt seine kuratierte Sammlung als Beispiel an.  

3 – Das Einzelbild

Dem Thema Einzelbild sind volle 70 Seiten in mehreren Abschnitten gewidmet. Neben der zeichnerischen Linienführung geht es um die Schulung des Auges, den Aufbau eines zeichnerischen Bildvokabulars, verbindende und trennende Elemente sowie einfache Strichmännchen. Außerdem wird die kollaborative Arbeit an Skizzen angesprochen.

Danach gehen die Autoren auf Slideware ein, also Programme zum Erstellen von Präsentationen mit Folien. Haftnotizen finden ihren Platz genauso wie eingebettete Fotos und abgepauste Fotos. Abpausen ist aber doch nicht Zeichnen? Nein, aber darum geht es ja auch nicht. Sketch- und Bildbearbeitungssoftware mit Layern ist grundsätzlich fantastisch, um über das Abpausen von Fotos zu lernen, wie man etwas zeichnerisch simpel umsetzt. Und das Vermischen von Fotos mit Skizzen fördert den Kreativitätsprozess enorm.

4 – Zeitschnappschüsse: die visuelle Erzählung

Das kann man nicht besser formulieren: “Interaktionsdesign ist in sofern einzigartig, als dass man sich das Verhalten einer Person vorstellt, während diese über eine gewisse Zeit mit einem System interagiert.”

In diesem Kapitel wird es fachspezifisch. Storyboards können auf verschiedene Weise “gebaut” werden: sequenziell, als Zustandsübergangsdiagramm, verzweigt oder narrativ. Das Kapitel ist reich und anschaulich mit Visualisierungen bestückt, so dass man leicht versteht worin die Unterschiede zwischen den Methoden liegen.

Selbst für nicht so designorientierte Sketchnoter wie mich gab es hier noch einige interessante Learnings. Neben dem Rastern und Synthetisieren von Informationen erzählen Sketchnoter nämlich gerne Geschichten, sofern das möglich ist. Und Geschichten haben immer Protagonisten, die in Interaktion miteinander stehen.

5 – Die User Experience animieren

Ein weiteres Spezialthema ist die Animation von Bildsequenzen. Zunächst geht es um das Animieren einer Szene über Frames und Bewegungspfade innerhalb von Slideware. Etwas komplizierter wird es dann im Abschnitt über das Arbeiten mit verzweigten Animationen. Das alles soll in Powerpoint oder Apple Keynote umsetzbar sein – habe ich noch nie gemacht, ein guter Anreiz zum Ausprobieren.

Keyframes und Tweening kann man in Adobe Flash oder vergleichbarer Software für Multimediaanimationen einsetzen, das Thema wird kurz angerissen und gehört wirklich in den Entwicklerbereich.

Nützlich für “Jederman” ist dann noch ein Unterkapitel zum Erstellen von linearen Videos über das Abfilmen von Papier-Notizen mit einer Videokamera und der Post-Produktion mithilfe einer Schnittsoftware.

6 – Andere einbeziehen

Im letzten Kapitel geht es darum, erstellte Animationen zu nutzen, um den Designprozess in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien zu teilen, zu zeigen und sich ein User-Feedback einzuholen.

Anhand einer Fallstudie wird das “initiale mentale Modell” erklärt – darunter versteht man die durch einen Testnutzer erteilte Beschreibung dessen, was er beim Durchlaufen eines Testdesigns wahrnimmt. Der “Wizard of Oz” ist eine Anfang der 80er-Jahre entwickelte Methode für das experimentelle Design, dass die Reaktionen aus dem Computer-Backend infolge von (Tastatur-)Eingaben simuliert. “Laut denken” ist vor allem im Coaching- und Beratungskontext eine übliche Methode, um die Gedanken von Klienten bzw. im Designbereich von künftigen Nutzern “sichtbar” und nachvollziehbar zu machen.

Schlussendlich kommt dieses Kapitel auf Skizzenwände zur Präsentation und die Methode des kritischen Feedbacks zu sprechen.

Fazit generell

Besonders gefallen hat mir die visuelle Aufbereitung des Buches. Klare Gliederungen, hervorgehobene Überschriften und numerische Aufzählungen, enorm viele Fotos und Scribbles / Zeichnungen. Die Schrift ist klein, aber durch die Hervorhebungen von relevanten Stichworten, deutliche Absätze, eingefügte Infokästen und Seitenleisten mit übergeordneten Informationen orientiert man sich mit Leichtigkeit im gesamten Buch.

Toll auch die schematische inhaltliche Gliederung: in diesem Kapitel geht es um dies und das, hier sind die Punkte A bis X, Beispiele, Referenzen und Weblinks, das hast du “neu erlernt”. Ein Stichwortverzeichnis rundet die Sache ab, die (weiterführenden) Quellen muss man sich halt aus den einzelnen Kapiteln ziehen.

Da ich kein User Experience-Designer bin, kann ich nicht wirklich beurteilen, wie nützlich das Buch in diesem Kontext ist. (Bisherige Reviews sind da aber voller Lob!)

Fazit aus der Sicht einer Sketchnoterin

In der Sketchnote-Community haben wir so eine Art Running Gag, der sich auf das Zeichnen bezieht: “I cannot draw” ist schon vielfach Gegenstand von Doodles gewesen – spontanen, kleinen, leichtfüßigen Kritzeleien zur Verbesserung der individuellen Visual Literacy. Viele Sketchnoter und Graphic Facilitators haben überhaupt keine zeichnerische Ausbildung, aber sie üben täglich. Weil sie vor allem eines beherrschen müssen: komplexe Informationen schnell, einfach und verständlich visuell darzustellen.

Idealerweise geraten sie über die Zeit in eine Art “professionellen Flow”: sie haben immer ein Notiz- oder Sketchbook und ein paar Stifte dabei, sie trainieren täglich ihr Auge und ihre visuelle Wahrnehmung, sie halten alles Mögliche spontan zeichnerisch fest. Auf diese Art entsteht mit der Zeit zwangsläufig ein Sammelsurium an Ideen und Ideenausarbeitungen. Für uns ist nicht in erster Linie wichtig, dass Zeichnungen “schön” aussehen. Für uns ist wichtig, dass wir in die Köpfe derjenigen kommen, die unsere Sketchnotes “lesen” – das geschieht unter anderem über leicht verständliche Zeichnungen, die im Bildvokabular unserer Leser andocken.

Sketchnotes kommen außerdem weniger bei der Produktentwicklung, sondern eher im Dienstleistungsumfeld zum Tragen. Das “kritische Feedback” ist ein wichtiger Aspekt: bei Vor- und Nachbereitungsgesprächen von Aufträgen lasse ich mir immer beschreiben, welche Bilder die Kunden im Kopf haben, welche Motive sie passend finden bzw. ob das dann Gezeichnete ihre Vorstellungen getroffen, ergänzt oder sie enttäuscht hat.

Der professionelle Flow ist bei mir inzwischen ein Normalzustand – letztlich geht es bei allen Sketchnotes “nur noch” darum, unter meinen vielen Ideen (auch den bisher gesammelten) die eine zu finden, die mich über die detaillierte Ausarbeitung in die Köpfe und Herzen der Adressaten des Themas bringt, das ich visuell umsetzen will.

Insofern sind Sketchnoter auch Designer und Storyteller, der Bezug zur User Experience besteht aber eher darin, ob Menschen die synthetisierte visuelle Darstellung von komplexen Informationen erreicht und ob sie das Dargestellte für sich selbst nachvollziehbar finden.

Ganz persönlich empfinde ich das Buch als sehr bereichernd, der dauerhafte Platz im Bücherregal ist gesichert.

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Sketching User Experiences – Hrsg.: Greenberg, Carpendale, Marquardt, Buxton

mitp-Verlag, 1. Auflage, 2014

272 Seiten, ab 21,99, broschiert

Bestellung über den Verlag: http://www.mitp.de/Business-Marketing/Sketchnotes/Sketching-User-Experiences.html

Amazon Link: http://www.amazon.de/Sketching-User-Experiences-Arbeitsbuch-Skizziermethoden/dp/3826694597