27 Aug

Spielerisch Bilder entwickeln

Ines Schaffranek, Autorin des Buches “Sketchnotes kann jeder”, hat sich ein kleines Kartenspiel ausgedacht. Mit diesem kann man auf verschiedenen Wegen Symbole und Bild-Kombinationen erstellen. Ich habe mir das Spiel einmal angesehen.

Ein Sonntagnachmittag ist die richtige Zeit, um sich spielerisch zu beschäftigen. Also erstmal den Drucker aktiviert – das Kartenspiel kommt als PDF ins Postfach – und die Schere geschnappt. Ines, deren Buch “Sketchnotes kann jeder” ich hier in meinem Blog rezensiert habe, nennt das Spiel Picdea. Das steht für “PIcture DEvelopment CArds”.

 

Anleitung und ausgeschnittene Karten

Was ist drin?

  • Eine Anleitung
  • 19 Symbolkarten bzw. 19 Seiten mit je 9 Symbolen
  • 7 Fragekarten
  • 2 Vorlagen zum Erstellen eigener Symbolkarten

Der Wert liegt nicht in einem hochwertigen Druckerzeugnis, das Spiel hat eine leicht “rauhe” Optik, handgezeichnet, komplett per Hand geschrieben und in Schwarz-Weiß. Für das Spiel hat Ines nach eigenen Angaben zusammen mit einem Coach aus der systemischen Beratung neben den Symbolkarten Fragekarten entwickelt, die sich in der Gruppenarbeit einsetzen lassen.

 

 

Ansätze für die Entwicklung von Bildern

  • Masse: viele Symbole führen zu einem neuen Bild
  • Plus: Kombination von mindestens zwei Bildern ohne Ähnlichkeit in der Form
  • Fusion: Kombination von Bildern mit ähnlicher Form
  • Etikett: Symbol mit Begriff beschriften
  • XXL: Symbol vergrößern in Relation zur menschlichen Figur
  • Gegenteil: Positiv – Negativ

 

Blick auf die Bildideen- und Fragekarten

Für wen wurde das Spiel gemacht?

Auf ihrer Website erklärt Ines es so: 

  1. Kinder – sie spielen ohnehin intuitiv mit Bildern herum.
  2. “Kritzelprofis” – also Menschen, die schon mit Visualisierung arbeiten. Diese sollen über das Spiel die Möglichkeit erhalten, Bildideen zu entwickeln und ihr Bildvokabular aufzustocken.
  3. Coaches – sie können das Spiel für aufwärmende Übungen in Gruppen einsetzen oder für Kreativphasen in Coachings und Seminaren.

Fazit

Ich habe die Karten nicht im Kontext einer Gruppe ausprobiert. Daher kann ich nur sagen: Die Bildkarten sind in jedem Fall hilfreich beziehungsweise motivierend und ein guter Ansatz, um mit dem Entwickeln neuer Bildvokabeln zu beginnen. Mit den Fragekarten konnte ich nicht so recht etwas anfangen. Liegt vielleicht daran, dass ich selbst ausgebildeter Coach mit einem entsprechenden Methodenkoffer bin. Selbstcoaching würde ich für mich persönlich anders aufsetzen als über die Fragen, die das Spiel bietet.

Das PDF gibt es jedenfalls hier. Ich bin mir sicher, dass Ines gerne Anregungen aufnimmt und sich über Erfahrungsberichte mit dem Kartenspiel freut. Vielleicht probiert es jemand in Gruppen, Trainings oder Workshops aus und schreibt selbst einen Artikel über das Spiel? Dann gerne auf meinen Blogpost verlinken.

 

05 Aug

Rezension: Sketchnote Starthilfe – Neue Bilderwelten

“Die Sketchnote Starthilfe” von Tanja Wehr aus dem vergangenen Jahr war eines der ersten deutschsprachigen Fachbücher für unsere Szene. Nun hat Tanja ein zweites Buch aufgelegt. Wer ihre Arbeit als Sketchnoterin kennt, weiß, dass er wieder mit vielen hilfreichen Zeichenanleitungen rechnen kann.

Neue Bilderwelten

“Die bunte Mischung der Themen in diesem Buch ist durch Rückmeldungen von Lesern des ersten Buches entstanden”, heißt es in der Einleitung. Wer das erste Buch noch nicht in den Fingern hatte, hier auf meinem Blog ist eine Rezension zu finden.

Tanja Wehr und auch andere Influencer der Sketchnote-Szene werden zu Recht im Übrigen nicht müde, immer wieder auf eine Sache hinzuweisen:  Jeder kann lernen, einfache Bildsymbole zu zeichnen. Und darauf konzentriert sich dieses Buch mit vielen Strich-für-Strich-Anleitungen.

Hier ein Blick ins Buch:

Viele, viele Themen

Am besten gefällt mir die Übersicht über die Bildsymbole gleich auf den ersten Seiten. Auf diese Weise kann man quasi sofort ins praktische Arbeiten einsteigen und direkt ins zweite Kapitel “springen” – zu den Stellen, die einen interessieren. Ich liste mal, was es alles gibt:

  • Baustelle
  • Im Café
  • Feiertage
  • Finanzen & Büro
  • Im Garten
  • Geschichte
  • Kleidung & Gesicht
  • Krimi
  • Küche
  • Kunst
  • Länder
  • Landschaften
  • Möbel
  • Musik
  • Neue Arbeit
  • Pflanzen
  • Rezepte
  • Schule
  • Spielzeug
  • Technik
  • Tiere
  • Urlaub
  • Veranstaltung
  • Verkehr

 

 

Weitere Tipps und Hilfen

Ein paar Punkte aus dem Buch will ich noch gesondert erwähnen. Für Eilige: Weiter unten haben ich ein Foto des Inhaltsverzeichnisses eingefügt.

Im ersten Kapitel gibt es einen Rückgriff auf grundlegende Elemente einer Sketchnote. Dazu gehört der Hinweis auf die “Essential Eight” von Brandy Agerback: Schrift, Aufzählungszeichen, Farbe, Linien, Pfeile, Menschen, Rahmen, Schatten. Dem folgen ein paar Seiten mit Beispielen für die Gestaltung von Linien, Buttons, Pfeilen, Banner, Rahmen, Strichmännchen, Gesichter.

Kapitel drei beschäftigt sich kurz mit Farbe und Schatten. In Kapitel vier geht es dann darum, wie man die eigene, individuelle Bildsprache entwickelt. Besonders sympathisch finde ich den Hinweis zum Bildanteil in Sketchnotes: Es gibt keine bindende Regel. Ich persönlich habe schon viele Sketchnotes gesehen, die überwiegend aus Bildvokabeln bestanden, aber ich habe genauso viele hervorragende Sketchnotes mit hohem Textanteil gesehen. “Ich kann nicht zeichnen” ist also kein Argument, um nicht mit Visualisierungen zu arbeiten.

Blick ins Inhaltsverzeichnis

Zum Abschluss

In Kapitel fünf macht Tanja ein paar Vorschläge, wie man Übungen in den Alltag integrieren kann. Das fängt mit zwei Minuten täglich und einem Icon pro Tag an, erstreckt sich über eine Terminliste, den Einkaufszettel, Packlisten für Reisen bis hin zum Sketchen von Anleitungen und Prozessen. Neben einigen Buchtipps gibt es dann am Ende des Buches noch einen visuellen Index für die Symbole mit Hinweis zu Tätigkeiten, Eigenschaften und Metaphern, die man dem jeweiligen Bild zuordnen könnte. Sehr gelungen!

 

 

Buch bestellen

Für den MITP-Verlag habe ich schon “Sketching User Experiences“, “Visuelle Meetings” und Tanjas erstes Buch rezensiert. Der  junge Verlag feiert in diesem Jahr seinen vierten Geburstag und unterstützt den Bereich Visual nach Kräften. Als Blogger wird man sehr zuvorkommend, aufmerksam und herzlich behandelt. Bestellt doch bitte das Buch eher direkt über den Verlag als über Amazon.

Die Sketchnote Starthilfe Neue Bilderwelten

Tanja Wehr, 1. Auflage 2018

272 Seiten, Softcover, zweifarbig

Buch 24,99 €, PDF oder EPUB 21,99 €

ISBN 978-3-95845-507-8

MITP-Verlag Die Sketchnote Starthilfe – Neue Bilderwelten

23 Jan

Rezension: Sketchnotes kann jeder

Ein weiteres deutsches Handbuch für Sketchnotes ist im letzten Jahr erschienen: „Sketchnotes Kann Jeder“ von Ines Schaffranek. Ich habe es endlich geschafft, für euch einen Blick hinein zu werfen.

Das Buch beginnt mit einer kleinen Überraschung: Nach einer kurzen Begrüßung zeigt die Autorin als erstes, wie sie die Sketchnote zu einem Vortrag vorbereitet und dann Schritt für Schritt aufbaut. Sehr sympathisch: von Schönzeichnen und Schönschreiben ist keine Rede. Stattdessen bekommt man als Leser gleich wichtige Elemente einer Sketchnote mitsamt ihrer Funktion im Gesamtgefüge vorgestellt. Gleich danach schließen sich einige kurze Kapitel zu Stiften, dem Einscannen von analog erstellten Sketchnotes und dem Zeichnen mit dem Tablet an.

Im Anschluss kommt ein Abschnitt, in dem es um die Potenziale von Sketchnotes geht. Dabei werden vor allem der Gewinn für das Wissensmanagement, die Verbesserung von Kommunikation und das „Denken mit dem Stift“ genannt. Der erste Teil des Buches schließt ab mit Beispielen für das Bildvokabular. Die Symbole werden gleich zweifarbig in Schritt-für-Schritt Anleitung gezeigt, was unmittelbar zum Nachzeichnen motiviert.

Bildideen und Bildvokabular

Das zweite Kapitel ist voll und ganz dem Entwickeln von Bildideen gewidmet. Dafür gibt die Autorin verschiedene Methoden an die Hand. Du hast noch nie von der Fusionsmethode, der Plusmethode, der Gegenteilmethode oder dem Etikettieren gehört? Dann lohnt sich das Buch für dich alle Male.

 

 

Will man Sketchnotes langfristig im privaten oder beruflichen Bereich einsetzen, dann kommt man um den Aufbau eines Bildvokabulars auf jeden Fall nicht herum. Zu vielen Begriffen – vor allem den Abstrakten – hat man einfach keine spontanen Ideen. Die Denkansätze aus den Methoden helfen hier hervorragend.

Auf das Wesentliche reduzieren

Im dritten Kapitel geht es dann um die Grundelemente im Sketchnoting. Container, Sprechblasen, Banner, Linien, Pfeile, Menschen, Mimik, Schrift und der Einsatz von Farbe werden erklärt. Das vierte Kapitel ist betitelt mit „Sketchnoting einüben“. Richtig zuhören, die W-Fragen beantworten, der Sketchnote eine Struktur geben und nachvollziehbare Pfade setzen. Das sind Teilschritte, die man beim Erstellen jeder Sketchnote in der Regel durchgeht. Sie helfen dabei, zu lernen, wie man aus einer Fülle von Informationen, zum Beispiel während eines Vortrags, das Wesentliche herausfiltert. Wie übt man nun am besten? Ines Schaffranek empfiehlt „Shuhari“, ein Prinzip, das bei asiatischen Kampfkünsten zum Lernen verwendet wird. Shu ist das Erlernen der Grundlagen und das Kopieren.  Ha ist der Schritt des Loslösens vom Erlernten, man entwickelt eigene Ideen. Ri ist die Trennung, man geht ab hier einen eigenen Weg. Außerdem gibt Schaffranek Anregungen zum täglichen Üben: von der Rekapitulation des Tages über das Visualisieren von Nachrichten oder Wikipedia-Artikeln hin zu Challenges – kleinen Zeichenwettbewerben – in den Sozialen Netzwerken.

Das letzte Kapitel reißt einige Ideen an, wie Sketchnotes dann letztlich im beruflichen Leben zum Einsatz kommen können. Graphic Thinking, Markenbildung, Entscheidungsfindung und Ideenfindung werden genannt. Natürlich gibt es noch wesentlich mehr Szenarien, aber das hätte dieses Buch dann doch gesprengt.

Meetup in Hamburg am 14. Juli mit der Autorin. Von links: Sandra Martin, Britta Ludwig, Ines Schaffranek, Friederike Von Dem Bussche-Hünnefeld, Andrea Brücken
Foto: Ines Schaffranek

Fazit

Mit 200 Seiten ist dieses Sketchnote-Buch sehr umfangreich. Es richtet sich definitiv nicht nur an Anfänger. Ines Schaffranek verzichtet darauf, für jeden nur denkbaren Begriff Zeichenanleitungen zu geben. Stattdessen stellt sie in konzentrierter Form etliche Methoden und Ansätze vor, mit deren Hilfe man sich dem Thema Sketchnotes auf verschiedenen Ebenen nähern kann. Praktisch wie theoretisch.

Sketchnotes kann jeder
Visuelle Notizen leicht gemacht
Ines Schaffranek, 1. Auflage 2017

214 Seiten, broschiert, farbig

Buch 24,90 €
E-Book 21,90 €

Verlag Rheinwerk Design

ISBN 978-3-8362-4337-7

 

 

04 Nov

First International Sketchnote Camp – Nachlese

150 Visualisierer aus aller Welt – Sketchnoter, Graphic Recorder und Visual Facilitators – fanden sich am 23. September 2017 in Hamburg zusammen. Auf dem ersten Internationalen Sketchnote Camp #isc17HH tauschten sie Wissen und Erfahrung aus.

Globale Community

Sketchnotes – visuelle Notizen aus Bild und Text – haben inzwischen weltweit Anhänger gefunden. Über die Sozialen Medien stehen Menschen, die sich dafür interessieren, schon seit Jahren in Kontakt und haben eine gobale Community aufgebaut. Via Twitter, Instagram, Facebook, Youtube und Blogs teilen sie ihr Wissen und arbeiten daran, die Technik des Visualisierens zu verbreiten.

Ich selbst kam vor gut drei Jahren zu Sketchnotes: Ich fand eine Twitter-Community, die unter dem Hashtag #todaysdoodle täglich kleine Zeichnungen teilte, Challenges miteinander austrug und diskutierte. Meinen Weg vom ersten Tag zum professionellen Arbeiten habe ich in diesem Vortrag nachgezeichnet. Darin erkläre ich auch, was Sketchnotes sind.

 

Von der Idee zur Tat

Mit Ideen ist das so eine Sache: In meiner Ausbildung zur Redakteurin sagte mir ein Profi mal: “Ideen gehören der Welt. WER sie umsetzt, spielt keine Rolle”. Ich machte mir damals Sorgen, was mit meinen Themenvorschlägen passiert – beziehungsweise eigentlich darum, ob sie mir nicht von anderen “geklaut” werden könnten.

Daher denke ich, dass die Idee zu einem weltweiten Treffen in vielen Köpfen bereits existierte. So, wie die Idee innerhalb der deutschen Sketchnotes-Community, ein gemeinsames Forum zum professionellen Austausch zu schaffen. Was ich dann als erste gemeinsam mit Kathrin Werner in Form der Gruppe Sketchnotes Germany umgesetzt habe. Im Falle des Sketchnote Camps sprach Mike Rhode den Gedanken als erster laut aus und Katharina Theis-Bröhl schlug Hamburg als Ort vor. In Diana Meier-Soriat, Marianne Rady und mir fand sie Mitstreiterinnen für die Organisation des Events.

Von links: Marianne Rady, Andrea Brücken, Diana Meier-Soriat, Katharina Theis-Bröhl. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

 

Details, Details, Details

So ein Event zu organisieren, wenn alle in Vollzeit beschäftigt sind und in verschiedenen Städten wohnen, ist eine echte Herausforderung. Wir haben uns möglichst agil und fast ausschließlich online organisiert: mithilfe von Facebook, Trello, Whatsapp, Dropbox, Google-Hangouts und Mails. Nach der Brainstorming-Phase begann die Arbeit: Zunächst mussten Sponsoren gefunden werden. Ein Dank geht noch einmal an diese, denn ohne finanzielle Unterstützung ist so eine Veranstaltung nicht zu stemmen.

Dazu kam die Organisation des Ticketings für drei verschiedene Veranstaltungen: Workshops & Get-together am Freitag, Barcamp am Samstag, Abschlussdinner am Samstag. Einsammeln der Sketchnote-Selfies aller Teilnehmer für ein gedrucktes Buch. Absprachen mit Sponsoren für Büchertische, Verpflegung und Räumlichkeiten. Beantworten zahlloser E-Mails mit Fragen und zum Klären von Problemen.

Die Tickets waren schon am ersten Abend nach Veröffentlichung ausverkauft, wir haben dann kurzfristig noch zusätzliche Plätze geschaffen. Erneute Absprachen, ständige Kalkulation der Kosten, die Community auf dem Laufenden halten, Website pflegen und und und … Es genügt wohl, zu sagen, dass ich am Tag nach dem Camp einfach nur ermattet auf mein Sofa gefallen bin. Ein Zustand, der noch eine Weile anhielt …

 

Ein Tag würde nicht reichen

Es war von Anfang an klar, dass wir nicht nur einen Tag als Event-Zeitraum anbieten konnten. Für die internationalen Gäste musste ein Anreiz geschaffen werden, sich auf die Reise zu begeben. Daher haben wir für Freitag zusätzlich Workshops und ein Get-together auf die Agenda gesetzt. Eine kleine Gruppe von Gästen traf sich sogar schon am Donnerstag in der Hochschule Bremerhaven zum Austausch. Am Sonntag nach dem Camp verabredeten sich etliche Teilnehmer aus Eigeninitiative zum Frühstücken und fürs Sight-Seeing in Hamburg.

Freitag im Zeichen von Workshops

Am Freitag empfand ich das große “Hallo” als überwältigend. Ich habe viele Menschen, mit denen ich seit Jahren online verbunden bin, zum ersten Mal “in echt” gesehen. Zig’ Umarmungen, Geschenke und Dankeschöns hielten mich auf Trab.

Gruppenfoto vom Freitagabend. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Außerdem hat man als Organisator immer etwas zu regeln – in diesem Fall das Einrichten der Räume, Betreuung der Workshop-Geber, Aufstellen von Essen und Getränken. Daher habe ich zwar Zeit gefunden, ein paar Fotos zu schießen, konnte aber nicht an den Workshops teilnehmen.

Weitere Fotos vom Freitag übrigens hier – beim Teilen bitte “CC-BY 4.0 Thomas Dick” hinzufügen.

Samstag – das Camp

Die Einladung “Come in and leave your footprint” war wörtlich gemeint. Und so wurde sie auch verstanden. 150 Teilnehmer aus 18 Ländern gestalteten den Tag. Es gab 35 Sessions zu verschiedensten Aspekten des Visualisierens: darunter Vorträge zum Graphic Recording, zu Reise-Sketchnotes, zum analogen und digitalen Sketchnoten mit unterschiedlichen Tools, die Anwendung von Sketchnotes in verschiedenen Berufen/Branchen, Einsatz von Sketchnotes zum Problemlösen, zum Sprachenlernen, auf Whiteboards und vieles mehr.

Einladungsaufsteller – Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Es gab genügend Raum und Zeit zum Netzwerken, man konnte Neuland-Stifte ausprobieren und an den Büchertischen stöbern. Nicht zu vergessen die Signierstunden mehrerer Autoren. Überhaupt erinnerte das Herumreichen von Sketchbooks mit der Bitte, sich darin zu verewigen ein bisschen an die Schulzeit, als wir Poesie-Alben geführt haben …

Die Zusammenarbeit mit dem Team vom Dialoghaus war hervorragend und ich glaube, alle fanden die Location genauso großartig wie wir Organisatorinnen. Ein besonderer Dank geht übrigens noch einmal an unsere freiwilligen Helfer Ayoka, Florian, Kathrin, Mareike, Sabine und Susanne.

Weitere Fotos vom Samstag übrigens hier – beim Teilen bitte “CC-BY 4.0 Thomas Dick” hinzufügen.

Das Dialoghaus in der Speicherstadt vor unserem Event Foto: Andrea Brücken

Nach dem Camp ist vor dem Camp

Unsere Hoffnung war, dass sich jemand findet, der das zweite Internationale Sketchnote Camp organisiert. Und die wurde nicht enttäuscht: Luis Gonzaga aus Portugal zeichnet als Organisator. In Kürze wird sich herausstellen, ob das zweite Camp in 2018 oder in 2019 stattfindet – wir warten noch auf die Ergebnisse einer Umfrage, die Luis gleich nach dem #isc17HH gestartet hat. Den Verteiler für den Newsletter geben wir an Luis weiter, wer sich noch eintragen will, macht das hier über unsere Website.

Luis verkündet, dass er das nächste Sketchnote Camp organisieren wird. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Bisherige Blogposts zum Camp:

Neuland

Sketchnote-Love

Werkstattmeister für Wissensarbeiter

Katjasays

Sketchnotes by Diana

Sketchnote Army Podcast

11 Sep

Federmappe reloaded – das Rollgut

Ein kleines Start-Up namens Rollgut ist gerade in ein Kickstarter-Crowdfunding gegangen. Für Sketchnoter ist die runde Holzschatulle mit einrollbarem Papierfach ein interessantes Set für unterwegs.

Was ist ein „Rollgut“?

Das Rollgut ist eine längliche Holzbox mit rundem Querschnitt. Es ist innen ausgehöhlt, so dass man dort Stifte und/oder andere kleine Dinge drin unterbringen kann. Bei der Anlieferung fand ich eine Nähnadel mit Faden, eine Büroklammer und einen Stift in der Box. 

Das Holz stammt von Buche, Elsbeere und Olive aus europäischer Forstwirtschaft. Abmessungen der Holzschatulle: 18 cm Länge, 3,5 cm Durchmesser. Der ausgesparte Innenbereich hat 15 cm Länge und 2,5 cm Durchmesser. Um die Holzschatulle herum befindet sich ein Metallring, den man verschieben kann. Das ist sehr clever gedacht. Man verschiebt den Ring an den Rand, legt die Stifte rein und positioniert den Ring dann wieder mittig damit die Stifte nicht herausfallen können. Der elastische Gummiband-Verschluss ist sehr stabil, die Ummantelung besteht aus Segeltuch.

 

Sketchnote Reise-Set passt

Ich habe mein aktuelles Sketchnote-Reise-Set, bestehend aus einem SketchOne und zwei FineOne von Neuland – einer farbig, einer Grau für Akzente und Schatten – in die Box gepackt. Dann habe ich noch einen MicronPigma Fineliner und zwei Pitt Artist Pens ausprobiert. Drei Stifte gehen auf jeden Fall und damit ist des Sketchnoters Mini-Set für unterwegs untergebracht. Ein vierter Stift hat bedingt Platz. Die Kappen der Pitt Artist haben im Gegensatz zu den FineOne eine Klammer – mit einem vierten Stift, zum Beispiel einem Fineliner in anderer Strichstärke wird es dann schon eng im Rollgut. Geht aber.

Welches Papier geht?

Geliefert wurde das Teststück mit sehr dünnem Papier. Vergleichbar dem, das man in einigen Moleskine-Büchern und auch im Sensebook vorfindet. Das Moleskine hat oft 70 g/m², das Sensebook 80 g/m². Mir persönlich ist das zu dünn, weil zum einen alle Stifte, die ich verwende, durchbluten. Zum anderen mag ich die damit verbundene glatte Struktur nicht.

 

In der Regel zeichne ich in Canson-Notizbüchern, die alle 120 g/m² aufzuweisen haben. Je dicker das Papier, desto sperriger wird natürlich das Aufrollen der Blätter, die man ins Rollgut einklemmt. Das geht übrigens so: An der Seite der Holzschatulle befindet sich ein metallischer “Knopf”. Drückt man diesen, hebt sich die Klemme für das Papier. Man kann dann bequem die Papierbögen einspannen. Zusätzlich befinden sich auf der Innenseite der rollbaren Außenhülle aus Stoff zwei kleine dreieckige Taschen, in denen man die Papierblätter fixiert.

Die Federmappe neu gedacht

Rein optisch hat mich das Rollgut sofort an die Schulzeit erinnert. Meine Generation ist mit Federmappen aufgewachsen, von denen eine Variante eine runde Lederrolle war. Dort passten Bleistifte, Füller, Radiergummi, Tintenpatronen und sogar ein kleines Lineal hinein. Das Rollgut ist zwar nicht so geräumig, erinnert aber in der Form, Machart und Haptik sehr stark an die gute alte Federtasche. Die Materialien sind hochwertig und ästhetisch.  

Kickstarter-Kampagne

Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis zum 3. Oktober 2017 17:28 Uhr CEST – wer das Projekt also unterstützen möchte und sogar Besitzer eines Rollgutes werden möchte: Bitte hier entlang.

 

Fragen an den Gründer Thomas Sommer

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Rollgut zu entwickeln und daraus ein Start-Up zu machen?

Thomas Ich war mit Smartphones und digitaler Revolution sehr erwartungsvoll. Es gab diese Riesensmartphones mit Stift und ab da wollte ich alles nur noch darauf zeichnen und notieren. Oft war es dann eher anstrengend als entspannend. Irgendwann, nach einigen Jahren, fing ich wieder an auf Papier zu zeichnen so wie davor und merkte „das ist so schön simpel und funktioniert“. Ab da hatte ich wieder Papier dabei, das ich einfach um Stifte gewickelt in die Hosentasche packte.

Dann kam dieser Klick-Moment: Ich dachte ‘‘Nimm’ doch ein Röhrchen, wickel’ das Papier darum und leg’ die Stifte da rein. Dann bleibt das Papier glatt und die Bleistife brechen nicht mehr ab!” Ich bin sofort in die Werkstatt. Als gerade dieses Röhrchen zurechtgesägt war, kam der nächste Gedanke: “Ach, mach doch noch so einen Deckel drauf, dann fallen die Stifte nicht raus”, . . . Ach, mach doch jetzt auch noch ein Stück Plane dran, dann ist das Papier schmutzgeschützt!” So entstand an einem Abend im Freestyle das allererste Ding, das irgendwie auch schon ein Rollgut war.

Für wen ist das Rollgut interessant und warum?

Thomas Rollgut ist aus der Praxis entstanden und somit in erster Linie auch für Praktiker gemacht! Für Menschen, die die Einfachheit und die motorischen Eigenschaften von Papier schätzen und anwenden: Kreative, Visuelle Denker, Sketchnoter und Ingenieure, Kinder und Studenten – weil Motorik Lernprozesse unterstützt. Nicht zuletzt aber auch für Geschäftsleute, die sich in Meetings Notizen machen wollen ohne die Ablenkung eines elektronischen Gerätes. Es ist ne Art iPhone für Papier. Eine Papier-App mit echtem Papier!

Woher hat das Holz ein Öko-Siegel? Und wie verhält es sich mit dem Herstellernachweis zum Stoff des “Wraps”?

Thomas Unser Lieferant für Holz hat ein FSC-Zertifikat. Der Lieferant für das Leder auf Papierbasis hat sowohl ein FSC- als auch ein Ökotex-Zertifikat. Das Segeltuch ist Ökotex-zertifiziert. Zwar hab ich die ausdrückliche Erlaubnis beider Lieferanten die Zertifikate anzugeben, jedoch bewegen wir uns in einer Grauzone, solange wir nicht eigens für Rollgut Zertifikate besorgen. Rollgut ist mit bestem Gewissen also nur aus zertifizierten Rohstoffen gefertigt. Auf Edelstahl gibt es – meines Wissens nach – keine besonderen Zertifikate und abgesehen von den Magneten und etwas Pflanzenwachs zum Schutz des Holzes fügen wir keine Zutaten hinzu.