04 Nov

First International Sketchnote Camp – Nachlese

150 Visualisierer aus aller Welt – Sketchnoter, Graphic Recorder und Visual Facilitators – fanden sich am 23. September 2017 in Hamburg zusammen. Auf dem ersten Internationalen Sketchnote Camp #isc17HH tauschten sie Wissen und Erfahrung aus.

Globale Community

Sketchnotes – visuelle Notizen aus Bild und Text – haben inzwischen weltweit Anhänger gefunden. Über die Sozialen Medien stehen Menschen, die sich dafür interessieren, schon seit Jahren in Kontakt und haben eine gobale Community aufgebaut. Via Twitter, Instagram, Facebook, Youtube und Blogs teilen sie ihr Wissen und arbeiten daran, die Technik des Visualisierens zu verbreiten.

Ich selbst kam vor gut drei Jahren zu Sketchnotes: Ich fand eine Twitter-Community, die unter dem Hashtag #todaysdoodle täglich kleine Zeichnungen teilte, Challenges miteinander austrug und diskutierte. Meinen Weg vom ersten Tag zum professionellen Arbeiten habe ich in diesem Vortrag nachgezeichnet. Darin erkläre ich auch, was Sketchnotes sind.

 

Von der Idee zur Tat

Mit Ideen ist das so eine Sache: In meiner Ausbildung zur Redakteurin sagte mir ein Profi mal: „Ideen gehören der Welt. WER sie umsetzt, spielt keine Rolle“. Ich machte mir damals Sorgen, was mit meinen Themenvorschlägen passiert – beziehungsweise eigentlich darum, ob sie mir nicht von anderen „geklaut“ werden könnten.

Daher denke ich, dass die Idee zu einem weltweiten Treffen in vielen Köpfen bereits existierte. So, wie die Idee innerhalb der deutschen Sketchnotes-Community, ein gemeinsames Forum zum professionellen Austausch zu schaffen. Was ich dann als erste gemeinsam mit Kathrin Werner in Form der Gruppe Sketchnotes Germany umgesetzt habe. Im Falle des Sketchnote Camps sprach Mike Rhode den Gedanken als erster laut aus und Katharina Theis-Bröhl schlug Hamburg als Ort vor. In Diana Meier-Soriat, Marianne Rady und mir fand sie Mitstreiterinnen für die Organisation des Events.

Von links: Marianne Rady, Andrea Brücken, Diana Meier-Soriat, Katharina Theis-Bröhl. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

 

Details, Details, Details

So ein Event zu organisieren, wenn alle in Vollzeit beschäftigt sind und in verschiedenen Städten wohnen, ist eine echte Herausforderung. Wir haben uns möglichst agil und fast ausschließlich online organisiert: mithilfe von Facebook, Trello, Whatsapp, Dropbox, Google-Hangouts und Mails. Nach der Brainstorming-Phase begann die Arbeit: Zunächst mussten Sponsoren gefunden werden. Ein Dank geht noch einmal an diese, denn ohne finanzielle Unterstützung ist so eine Veranstaltung nicht zu stemmen.

Dazu kam die Organisation des Ticketings für drei verschiedene Veranstaltungen: Workshops & Get-together am Freitag, Barcamp am Samstag, Abschlussdinner am Samstag. Einsammeln der Sketchnote-Selfies aller Teilnehmer für ein gedrucktes Buch. Absprachen mit Sponsoren für Büchertische, Verpflegung und Räumlichkeiten. Beantworten zahlloser E-Mails mit Fragen und zum Klären von Problemen.

Die Tickets waren schon am ersten Abend nach Veröffentlichung ausverkauft, wir haben dann kurzfristig noch zusätzliche Plätze geschaffen. Erneute Absprachen, ständige Kalkulation der Kosten, die Community auf dem Laufenden halten, Website pflegen und und und … Es genügt wohl, zu sagen, dass ich am Tag nach dem Camp einfach nur ermattet auf mein Sofa gefallen bin. Ein Zustand, der noch eine Weile anhielt …

 

Ein Tag würde nicht reichen

Es war von Anfang an klar, dass wir nicht nur einen Tag als Event-Zeitraum anbieten konnten. Für die internationalen Gäste musste ein Anreiz geschaffen werden, sich auf die Reise zu begeben. Daher haben wir für Freitag zusätzlich Workshops und ein Get-together auf die Agenda gesetzt. Eine kleine Gruppe von Gästen traf sich sogar schon am Donnerstag in der Hochschule Bremerhaven zum Austausch. Am Sonntag nach dem Camp verabredeten sich etliche Teilnehmer aus Eigeninitiative zum Frühstücken und fürs Sight-Seeing in Hamburg.

Freitag im Zeichen von Workshops

Am Freitag empfand ich das große „Hallo“ als überwältigend. Ich habe viele Menschen, mit denen ich seit Jahren online verbunden bin, zum ersten Mal „in echt“ gesehen. Zig‘ Umarmungen, Geschenke und Dankeschöns hielten mich auf Trab.

Gruppenfoto vom Freitagabend. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Außerdem hat man als Organisator immer etwas zu regeln – in diesem Fall das Einrichten der Räume, Betreuung der Workshop-Geber, Aufstellen von Essen und Getränken. Daher habe ich zwar Zeit gefunden, ein paar Fotos zu schießen, konnte aber nicht an den Workshops teilnehmen.

Weitere Fotos vom Freitag übrigens hier – beim Teilen bitte „CC-BY 4.0 Thomas Dick“ hinzufügen.

Samstag – das Camp

Die Einladung „Come in and leave your footprint“ war wörtlich gemeint. Und so wurde sie auch verstanden. 150 Teilnehmer aus 18 Ländern gestalteten den Tag. Es gab 35 Sessions zu verschiedensten Aspekten des Visualisierens: darunter Vorträge zum Graphic Recording, zu Reise-Sketchnotes, zum analogen und digitalen Sketchnoten mit unterschiedlichen Tools, die Anwendung von Sketchnotes in verschiedenen Berufen/Branchen, Einsatz von Sketchnotes zum Problemlösen, zum Sprachenlernen, auf Whiteboards und vieles mehr.

Einladungsaufsteller – Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Es gab genügend Raum und Zeit zum Netzwerken, man konnte Neuland-Stifte ausprobieren und an den Büchertischen stöbern. Nicht zu vergessen die Signierstunden mehrerer Autoren. Überhaupt erinnerte das Herumreichen von Sketchbooks mit der Bitte, sich darin zu verewigen ein bisschen an die Schulzeit, als wir Poesie-Alben geführt haben …

Die Zusammenarbeit mit dem Team vom Dialoghaus war hervorragend und ich glaube, alle fanden die Location genauso großartig wie wir Organisatorinnen. Ein besonderer Dank geht übrigens noch einmal an unsere freiwilligen Helfer Ayoka, Florian, Kathrin, Mareike, Sabine und Susanne.

Weitere Fotos vom Samstag übrigens hier – beim Teilen bitte „CC-BY 4.0 Thomas Dick“ hinzufügen.

Das Dialoghaus in der Speicherstadt vor unserem Event Foto: Andrea Brücken

Nach dem Camp ist vor dem Camp

Unsere Hoffnung war, dass sich jemand findet, der das zweite Internationale Sketchnote Camp organisiert. Und die wurde nicht enttäuscht: Luis Gonzaga aus Portugal zeichnet als Organisator. In Kürze wird sich herausstellen, ob das zweite Camp in 2018 oder in 2019 stattfindet – wir warten noch auf die Ergebnisse einer Umfrage, die Luis gleich nach dem #isc17HH gestartet hat. Den Verteiler für den Newsletter geben wir an Luis weiter, wer sich noch eintragen will, macht das hier über unsere Website.

Luis verkündet, dass er das nächste Sketchnote Camp organisieren wird. Foto: CC-BY 4.0 Thomas Dick

Bisherige Blogposts zum Camp:

Neuland

Sketchnote-Love

Werkstattmeister für Wissensarbeiter

Katjasays

Sketchnotes by Diana

Sketchnote Army Podcast

30 Mrz

Rezension: Visual Selling

visual selling cover

Visualisierungen im Kundengespräch zu benutzen ist eine tolle Idee. Die erste Hürde ist die Frage: Kann ich das überhaupt? Man kann es zumindest lernen, wie Miriam und Marko Hamel in ihrem Buch “Visual Selling” beweisen.

Die Autoren

Miriam und Marko Hamel sind beide studierte Informationstechniker. Marko beriet und trainierte bei SAP Deutschland im Pre-Sales in den Bereichen SAP Software und Mobile Business. Außerdem ist er Spezialist für IT-Prozessoptimierung. Seit 2015 hält er Gastvorträge an der HdWM Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim zu visuellem Denken. Miriam beriet und trainierte gleichfalls bei SAP Deutschland zu IT-Sicherheitslösungen und ist als betriebliche Datenschutzbeauftragte ausgebildet. Seit 2015 hält sie regelmäßig Gastvorträge an der IUBH School of Business and Management in Erfurt zu visuellem Denken.

Das Buch

Im Vorwort finden wir zuerst Dan Roam – einen bekannter Visualisierer, Autor des Buches “The back of the napkin” und Berater von Firmen wie Google, Boeing, eBay, Microsoft, Wal-Mart und Wells Fargo. Zudem erklärt Andreas J. Wagner, derzeit Vice President SP Ariba MEE, wie es zu diesem Buch kam: Marko Hamel erhielt den Auftrag, ein Training zu entwickeln, das neue Verkaufstechniken und Storytelling miteinander verbindet. Besagtes Training diente als Grundlage für das hier besprochene Buch. Das Training war gedacht für den B2B-Software-Verkauf. Schon nach dem Durchblättern der ersten Seiten war mir aber klar, dass man aus “Visual Selling” für jede Art von Kundengespräch und Verkaufsprozess hilfreiche Tipps ziehen kann.

Man kann sich mit diesem Buch fit machen, um im Kundengespräch Fragen, Probleme, Lösungen und Arbeitsschritte visuell zu begleiten. Im Angesicht einer digitalisierten Arbeitswelt, die zunehmend zeitlich begrenzte Projektarbeit erfordert und künftig viel mehr Freischaffende mit besonderen Spezialisierungen benötigt, ist so ein Buch ein echtes Fundstück. Denn all diese Projektarbeiter*innen werden sich in Zukunft verstärkt selbst verkaufen müssen. Und wer weiß? Vielleicht geben die Autoren in Zukunft eine angepasste Fassung für die Arbeitswelt 4.0 heraus?

Kommunikation zuerst

Zurück zum vorliegenden Buch. Es ist ein Arbeitsbuch mit vielen Templates, zu denen man mit dem Kauf auch einen Online-Zugriff auf PDF-Downloads erhält. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Visualisierung geht es gleich los mit Tipps zum Auflockern und Vorbereiten auf Gespräche. Ganz im Sinne eines Storytellings führt uns der Charakter Tom Sieger (ja, ich habe auch geschmunzelt) durch grundlegende Kommunikationstechniken.

Als zertifizierter Coach erkenne ich gleich, dass es sofort am Anfang um eine kleine Bestandsaufnahme meiner Gesprächsführungs-Kompetenzen geht. Ein kurzer Blick in das Nachwort bestätigt meine Vermutung, dass im Buch mit den Persönlichkeits- und Verhaltenstypen nach DiSG gearbeitet wird. Dieses Modell basiert auf einer Typologie von William Moulton Marston aus dem Jahr 1928 und war vor knapp zehn Jahren noch Teil der Standardausbildung als Coach. Es klassifiziert nach einem groben Raster Persönlichkeitstypen und Verhaltensmuster und dient in vielen Coaching-Prozessen als Grundlage oder Teilschritt zum Festlegen von Parametern im Entwicklungsprozess von Personen und Unternehmen.

Da ich nicht mehr als Coach arbeite, kann ich nicht sagen, ob es neuere und “bessere” Modelle in den aktuellen Ausbildungen gibt. Ich möchte das Modell auch nicht bewerten – es ist im Rahmen von Trainingskonzepten ein bewährter Bestandteil, der sich vielfältig einsetzen lässt.

 

Inhaltsübersicht. Mit freundlicher Genehmigung durch Autoren & Verlag

 

Gedanken strukturieren

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Macht der Bilder und fordert zum Anlegen einer visuellen Bibliothek auf – in diesem Rahmen wird das “IdeaPix” genannt. Der Fokus liegt natürlich auf Bildern im Rahmen des Vertriebs: Ein bestehendes Bildvokabular erlaubt es, dem potenziellen Kunden unmittelbar Gedanken und Ideen zu visualisieren. Dazu gibt es Anreize, sich mit spontaner Visualisierung zu beschäftigen. Auch hier findet sich das DiSG-Modell, damit man einen guten Zugang zur eigenen Art des Visualisierens findet. Hinweise zu Strukturierung, Grids, Einsatz von Schrift und Farbe runden das Kapitel ab.

Der Vertriebszyklus

Kunden verstehen setzt aktives Zuhören voraus. Das ist keine neue Weisheit, trotzdem findet sich allzu oft in jeder möglichen Form des Marketings (online und offline) immer noch der alte Weg: One-Way-Communication. Sprich: Ich verkauf dir mal was, hier ist mein Produkt. Friss oder stirb. Wir werden nicht nur in den Neuen Medien mit Bildern überschwemmt. Daher ist ein Kapitel wie dieses dritte mit der Aufforderung zum Dialog natürlich ein hervorragender Ansatz: Moderne Verkaufsmethoden mit Kundenzentrierung durch eine zeitgemäße Kommunikationstechnik wie der des Visualisierens zu stützen.

Dieses Kapitel geht sehr intensiv auf die praktische Gestaltung von Dialogen ein und ist das umfassendste im Buch. Es thematisiert den Vertriebszyklus, behandelt die Befragung zur Herstellung eines gemeinsamen Kontextes, analysiert das Verstehen von Aktionen und geht auf Begriffe wie Werte, Identität, Wunsch, Problem und Lösung ein. Der Perspektivenwechsel kommt zur Sprache sowie der Einsatz von Diagrammen. Natürlich geht es auch um das Storytelling und wie man es im Verkaufsprozess einsetzen kann. Das Kapitel schließt mit einem Visualisierungsbeispiel für einen kompletten Business Case.

 

 

Digitale Welt

Kapitel 4 stellt im Ansatz die Möglichkeiten der digitalisierten Welt vor, zum Beispiel die Nutzung von Online-Meetings. Wie richtet man Kamera und Beleuchtung als Moderator / Präsentator gut ein? Es gibt Tablets! Keine Angst, auch damit kann man arbeiten. Enthalten sind grundlegende Tipps für den Einsatz von geeigneter Technik.

Fazit

Man muss kein Anhänger oder Gegner bestimmter Methoden sein: Wenn sie sich im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sinnvoll einsetzen lassen, ist das aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Hier liegt uns ein Arbeitsbuch vor, das sich mit dem Einsatz von Visualisierungen für ein spezielles Gebiet beschäftigt: Der Gestaltung eines erfolgreichen Kundengespräches für den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen.

Als professionelle Sketchnoterin empfinde ich die Visualisierungen als hervorragend schlicht und handlich. Auf Schnörkel und Schönzeichnungen wird verzichtet. Es geht einzig darum, Menschen an die Technik des Visualisierens heran zu führen. Gestützt wird dies durch Templates, die man leicht nachzeichnen oder sogar herunter laden kann.

Dass die Autoren aus ihrem Wissen eine Marke gemacht haben, verwundert nicht. In einer aktualisierten Ausgabe würde ich mir lediglich etwas tiefergehende Erklärungen zum Einsatz von digitalen Tools wünschen.

 

 

Visual Selling – Das Arbeitsbuch für Live-Visualisierungen im Kundengespräch

Miriam & Marko Hamel, 1. Auflage 2016

224 Seiten, Softcover, Wiley-VCH Verlag & Co. KGaA, Weinheim

 

Buch 22,80 € beim Verlag bestellen

Buch 24,99 € bei Amazon bestellen*

ISBN: 978-3-527-50885-3

(* Affiliate-Link, wenn du das Buch über Amazon kaufst, erhalte ich eine kleine Provision)
30 Jan

Sketchnotes öffentlich zeigen?

Sketchnotes öffentlich zeigen

Öffentlich oder geschlossen? Mit dieser Frage sah ich mich kürzlich konfrontiert, als es um das Einrichten einer Fachgruppe zu Sketchnotes auf Facebook ging. Nun plane ich eine zweite Gruppe auf XING. Und auch diese wird öffentlich sein. Aus Gründen.

Optionen für Gruppen auf Facebook

Facebook bietet für die Privatspähren-Einstellung von Gruppen drei Optionen an.

  1. GEHEIM
  2. GESCHLOSSEN
  3. ÖFFENTLICH

Die Option „Geheim“ impliziert, dass ausschließlich Gruppenmitglieder Daten und Postings von anderen ansehen können. Der Unterschied zwischen „Geschlossen“ und „Öffentlich“ ist aus Facebook-Sicht minimal: Postings in geschlossenen Gruppen tauchen nicht im allgemeinen Stream auf und sind in der allgemeinen Suche nicht auffindbar. Sobald man Mitglied einer Gruppe ist, sind aber alle persönlichen Daten und Äußerungen für jedes Gruppenmitglieder sichtbar.

Fakt ist also: Sofern es nicht ein rigides Gruppen-Management gibt, kann quasi jede*r einer Gruppe beitreten und dann alles sehen, was jemand dort macht.

Offenheit: gelernt im internationalen Kontext

Ich hatte meine ersten Sketchnotes auf dem Barcamp Bielefeld gesehen und vor meinen eigenen ersten Gehschritten sogar Anna Lena Schiller über das Graphic Recording  in einem Live-Video auf ununi.TV interviewt. Dazu kamen dann zügig andere Interviews zum Thema Visual Literacy.

Wenn ich meinen persönlichen Werdegang im Bereich Sketchnotes betrachte, dann muss ich sagen, dass ich als Sketchnoter in der internationalen Community „geboren“ wurde. Unter dem Hashtag #todaysdoodle auf Twitter fand ich nicht nur Diskussionspartner zum Thema, sondern konnte über tägliches Zeichnen meine Skills entwickeln. Auf diversen Barcamps habe ich innerhalb der letzten zwei Jahre darüber berichtet.

Im englischsprachigen Raum weltweit sind Sketchnotes schon seit über zehn Jahren fest etabliert. Der Austausch unter Sketchnotern ist dort frei und flüssig: Beispiele aus der täglichen Arbeit über Social Media-Kanäle zu zeigen und auch Fragen zu stellen mit Blick auf Techniken und Anwendung ist in anderen Ländern offensichtlich selbstverständlich.

Deutsche Sketchnoter sind aktiv 1

Viele deutsche Sketchnoter, die intensiv an dem Thema hängen, haben sich inzwischen an die internationale Community angedockt. Das zeigten auch die Tweets zum World Sketchnote Day, der jährlich von Mauro Toselli und Mike Rohde am 11. Januar veranstaltet wird. Laut Mauros Auskunft ist Deutschland der zweitgößte Markt für den Verkauf von Publikationen zu Sketchnotes aus dem englischsprachigen Raum.

Innerhalb der deutschen Community gibt es einige „Early Adopter“. Zunächst diejenigen, die visuelle Techniken schon seit zehn Jahren benutzen. Dann diejenigen, die innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre Sketchnotes für sich entdeckt haben und daraus ein Business machen wollen. Es gibt die ersten deutschsprachigen Bücher für Einsteiger. Und vereinzelt auch Angebote zum Erstellen von Erklärvideos, Einführungen in Lettering und Techniken wie Aquarell oder Tinte. Dazu natürlich meinen On-Demand Kurs für Anfänger, der gerade nochmal überarbeitet und aktualisiert wird.

Deutsche Sketchnoter sind aktiv 2

Aus meinen Offline-Bezügen weiß ich mit Sicherheit, dass Sketchnotes von einer Menge Menschen genutzt werden ohne dass die Betreffenden sich in Social Media exponiert darstellen. (Oder überhaupt online agieren)

Darüber hinaus gibt es auch einfach viele Anwendungsgebiete wie zum Beispiel das Dokumentieren von Meetings oder Kundengesprächen, die man nicht öffentlich zeigen will, selbst wenn man in Social Media aktiv ist. Weil sie Interna in Unternehmen betreffen, die man nicht kommunizieren darf oder will. Ich selbst habe einige solcher Sketchnotes, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.

Warum also öffentliche Sketchnotes?

Skechnotes – visuelle Notizen – sind nicht nur einfach eine Technik. Dahinter steht eine Bewegung. Sunni Brown hat es als Erste perfekt formuliert: Die „Doodlerevolution“ ist eine globale Kampagne für „Visual Literacy“. Literacy bedeutet übersetzt: „die Fähigkeit zu lesen“ oder auch „Lese- und Schreibfähigkeit“. Hängt man das „Visual“ ran, dann kommen wir auf die Fähigkeit, visuell zu lesen und zu schreiben.

Weltweit läuft klassische Bildung so: man lernt gleich im ersten Schuljahr das Lesen und Schreiben. Buchstaben und Schrift. Man lernt aber nicht das Zeichnen. Um dem „Natürlich Kreativen“ der Kinder gerecht zu werden,  wird ein bisschen gebastelt, der Kopf wird getätschelt und dann gehen wir ganz schnell zum standartisierten Bildungssystem über: Schrift. Wenn du nach den ersten Jahren in der Schule immer noch „kritzelst“, wirst du aber zügig und energisch ermahnt und abgestraft.

Irgendwann in der Mittelstufe des deutschen Bildungssystems (und sicher auch in anderen Ländern weltweit) kommt dann das Fach „Kunst“. Ab da wird Zeichnen erhöht, als besondere Fähigkeit eingeordnet und gleichzeitig in eine exklusive Kompetenz-Ecke geschoben. Hast du Talent? Ah, gut. Dann mal los, beweis dich. Wer als Jugendlicher genügend Standhaftigkeit hat, versucht sich immerhin an Grafik-Design oder vergleichbaren Berufen und landet oft in prekärer Berufslage. (Nicht umsonst gibt es die Künstlersozialkasse in Deutschland).

German Angst

Anja C. Wagner, die einen scharfen Blick auf die deutsche Gesellschaft hat – sowohl mit Blick auf Digitalisierung als auch mit Fokus auf die Bildungslandschaft – nennt das Problem beim Namen. Ich persönlich stimme ihr zu, was die Angst generell zum Thema Digitalisierung betrifft, sehe diese Angst aber auch in der Generation unter Vierzig. Denn für die jüngere Generation ist es nicht so leicht, sich gegen die Sperren der Älteren zur Wehr zu setzen.

Pro’s & Con’s

Wer Visualsieren – und somit Sketchnotes – als etwas begreift, das als Kommunikations-Technik eingeordnet werden kann, hat gewonnen. Und wird sich nicht scheuen, die eigenen Notizen öffentlich zu zeigen.

Wer immer noch in den alten Denkstrukturen hängt und Zeichnen als Kunst ansieht, hat verloren. Und wird Sketchnotes vielleicht im persönlichen Wissensmanagement einsetzen. Er oder sie wird diese Technik aber niemals in berufliche Bezüge hineintragen oder die Idee der Sketchnote-Bewegung weiter tragen.

Das einzige Argument, dass ich bisher gegen öffentliches Zeigen von Sketchnotes gehört habe lautet: Ja, aber… man traut sich ja vielleicht nicht, seine Zeichnungen zu zeigen.

Kopf auf: es geht nicht um Schönheit in der Zeichnung. Es geht um das Transportieren von Ideen, um das Darstellen von Sachverhalten. Es geht um das Kommunizieren. Wie Mike Rohde es postuliert: Sketchnote is about ideas, not art.

Erst der Inhalt, dann die Schönheit

Rob Dimeo, den ich kürzlich exemplarisch für wissenschaftliche Sketchnotes erwähnt habe in einem Beitrag der Ausgabe 4/2016 Forum Neue Medien In Der Lehre Austria mit dem Themenschwerpunkt „Design & Usability im E-Learning“ veranstaltet an seinem Institut cirka alle vierzehn Tage ein Meeting für Mitarbeiter mit einer Hangout-Anbindung für Interessierte aus dem Web. Der vom 27.1. passt hervorragend zum Thema dieses Artikels.

Sketchnotes: Mindset zuerst

Schönheit kommt später

Also

„Frisch d’rüber hinweg! Wer nichts fürchtet, ist nicht weniger mächtig als der, den alles fürchtet.“

(Johann Christoph Friedrich von Schiller, (1759 – 1805), deutscher Dichter und Dramatiker)

03 Jan

Sketchnotes im wissenschaftlichen Kontext

Das „Forum Neue Medien In Der Lehre Austria“ hat mich für einen Artikel zu Sketchnotes angefragt. In der Ausgabe 4/2016 geht es um den Themenschwerpunkt „Design & Usability im E-Learning“.  Da passt es gut, dass ich zwei Mitstreiter aus meinem Netzwerk vorstellen kann, die sich auf wissenschaftliche Sketchnotes spezialisiert haben.

Es geht los ab Seite 23

Das ganze Magazin ist wie immer sehr interessant, die Ausgabe 4/2016 ist  auf Design, Usability, UX und E-Learning im wissenschaftlichen Umfeld ausgerichtet. Mein Artikel startet auf Seite 23. Es geht kurz darum, was Sketchnotes überhaupt sind und dann stelle ich zwei Wissenschaftler vor, die das Visualisieren ganz wunderbar in ihren Arbeitsalltag integriert haben.

Rob Dimeo und die Neutronen

Robert Dimeo ist Direktor des NIST Center for Neutron Research (NCNR) in Gaithersburg, Maryland. Ich habe ihn vor zwei Jahren über Twitter kennengelernt, seitdem verbindet uns das Interesse am Visualsieren. Er fertigt ganz hervorragende wissenschaftliche Sketchnotes an, baut diese in Präsentationen ein und hat sich inzwischen nebenbei zu einem Zeichner von witzigen Comic-Figuren entwickelt.

„Interaktion & Dynamik von Proteinen in konzentrierten pharmazeutischen Rezepturen“ Mit freundlicher Genehmigung von Rob Dimeo @rob_dimeo (Twitter)

Katharina Theis-Bröhl und die Solarenergie

Auch Katharina Theis-Bröhl lernte ich über Twitter kennen. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Professorin und Dekanin am Institut für Verfahrenstechnik, Fachbereich 1 – Technik der Hochschule Bremerhaven hat sie Vorlesungsinhalte zur Solartechnik visualisiert. Ihre Sketchnotes sind besonders bunt und aussagekräftig, was erstaunlicherweise sehr gut zu den wissenschaftlichen Inhalten passt!

„Das Prinzip von Solarkollektoren“ Mit freundlicher Genehmigung von Katharina Theis-Bröhl @theiskbt (Twitter)

Visuelle Notizen passen in jeden Kontext

Wer bisher noch gezweifelt hat, ob Sketchnotes überhaupt infrage kommen um spezielle Themen visuell zu stützen, sollte jetzt damit aufhören. Wissenschaftliche Inhalte sind sehr komplex und es braucht sicher das Fachwissen des Sketchnoters, um selbige herunter zu brechen. Aber auch jeder professionelle Sketchnoter mit Erfahrung und/oder journalistischem Hintergrund kann beliebige Themen visuell umsetzen.

Interesse?

Sketchnote anfragen Sketchnote anfragen
Workshops für Wissenschaftler im Sketchnoting? Wissenschaftsthemen visualisiert als Sketchnote?
Schreiben Sie mir!

 

21 Dez

9 Icons geschenkt

9 handgezeichnete Icons auf transparentem Hintergrund, mit denen du deine Grafiken zum Jahreswechsel aufpeppen kannst. Kostenfrei und für die kommerzielle Nutzung frei gegeben.

Enthalten:

  • Sektflasche
  • Sektgläser
  • Feuerwerk
  • Luftschlagen
  • Krapfen
  • Hufeisen
  • Schornsteinfeger
  • Glücksschwein
  • Kleeblatt

PNG herunter laden, einfach in einem Bildbearbeitungsprogramm öffnen, ausschneiden, kopieren.

 

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