05 Mrz

Sketching User Experiences – Rezension

Sketching User Experiences.jpg

Sketching User Experiences – Das praktische Arbeitsbuch zum Erlernen von Skteching und zahlreicher Skizziermethoden

Die Motivation von Bill Buxton, Designer und Wegweiser für Mensch-Computer Interaktion bei Microsoft Research, lag ursprünglich darin, das einfache Skizzieren als Methode für Designprozesse zu erklären. Denn seiner Ansicht nach waren viele Interaktionsdesigner, mit denen er arbeitete, nicht ausreichend visuell und zeichnerisch geschult. Das Ergebnis ist dieses tolle Handbuch, das im Rahmen vieler Prozesse zur Anwendung kommen kann, die mit dem Entwickeln von Ideen und Produkten zu tun haben.

Das Buch versammelt eine riesige Anzahl an Techniken, die sowohl die Ideenentwicklung, das Skizzieren, das Storytelling und die Prozesse im Rahmen von User Experience unterstützen – und die auch von ungeübten Zeichnern benutzt werden können.

Besonders erfreulich: tatsächlich wird in den spezialisierten Kapiteln darauf eingegangen wie man visuelle Präsentation im Rahmen von kritischem Feedback nutzen kann. Und darum geht es ja bei der User Experience: kann der Nutzer mit dem finalen Produkt leicht und einfach arbeiten oder nicht? Wie soll man das anders herausfinden, als den Nutzer zu fragen?

Schauen wir uns erstmal die Inhalte an, gegliedert ist das Buch in sechs Kapitel.

1- Einstimmung

Es geht um grundsätzliche Fragen: Was ist eine User Experience und warum eignen sich Skizzen für die alltägliche Arbeit im Designbereich? Wie sieht ein Designprozess aus? Warum ist ein Skizzenbuch sinnvoll?

Und schon gibt es drei Übungsaufgaben mit Visualisierungen. Natürlich geht es bei den Aufgaben um mobile Geräte beziehungsweise Computer. Aber ich möchte behaupten, dass man a) hierbei grundsätzlich den Designprozess versteht, nach Stuart Pugh auch “Designtrichter” genannt und b) sich selbst die Aufgaben für andere Produkte umformulieren kann.

2- Ideenfindung in der realen Welt

Scribbeln ist die Vorstufe aller Zeichnungen: in kurzer Zeit überall und jederzeit Ideen ganz simpel festhalten und sich nur auf das konzentrieren, was man für wichtig hält. Betont wird in diesem Kapitel, dass man täglich in der realen Welt viele Ideen sammeln kann. Neben Scribbles sind Fotos, Mustersammlungen von Gegenständen, Bilder und Zeitungsausschnitte ein probates Mittel für die Ideenfindung.

Buxton fordert dazu auf, sich eigene Sammelschemata aufzubauen und führt seine kuratierte Sammlung als Beispiel an.  

3 – Das Einzelbild

Dem Thema Einzelbild sind volle 70 Seiten in mehreren Abschnitten gewidmet. Neben der zeichnerischen Linienführung geht es um die Schulung des Auges, den Aufbau eines zeichnerischen Bildvokabulars, verbindende und trennende Elemente sowie einfache Strichmännchen. Außerdem wird die kollaborative Arbeit an Skizzen angesprochen.

Danach gehen die Autoren auf Slideware ein, also Programme zum Erstellen von Präsentationen mit Folien. Haftnotizen finden ihren Platz genauso wie eingebettete Fotos und abgepauste Fotos. Abpausen ist aber doch nicht Zeichnen? Nein, aber darum geht es ja auch nicht. Sketch- und Bildbearbeitungssoftware mit Layern ist grundsätzlich fantastisch, um über das Abpausen von Fotos zu lernen, wie man etwas zeichnerisch simpel umsetzt. Und das Vermischen von Fotos mit Skizzen fördert den Kreativitätsprozess enorm.

4 – Zeitschnappschüsse: die visuelle Erzählung

Das kann man nicht besser formulieren: “Interaktionsdesign ist in sofern einzigartig, als dass man sich das Verhalten einer Person vorstellt, während diese über eine gewisse Zeit mit einem System interagiert.”

In diesem Kapitel wird es fachspezifisch. Storyboards können auf verschiedene Weise “gebaut” werden: sequenziell, als Zustandsübergangsdiagramm, verzweigt oder narrativ. Das Kapitel ist reich und anschaulich mit Visualisierungen bestückt, so dass man leicht versteht worin die Unterschiede zwischen den Methoden liegen.

Selbst für nicht so designorientierte Sketchnoter wie mich gab es hier noch einige interessante Learnings. Neben dem Rastern und Synthetisieren von Informationen erzählen Sketchnoter nämlich gerne Geschichten, sofern das möglich ist. Und Geschichten haben immer Protagonisten, die in Interaktion miteinander stehen.

5 – Die User Experience animieren

Ein weiteres Spezialthema ist die Animation von Bildsequenzen. Zunächst geht es um das Animieren einer Szene über Frames und Bewegungspfade innerhalb von Slideware. Etwas komplizierter wird es dann im Abschnitt über das Arbeiten mit verzweigten Animationen. Das alles soll in Powerpoint oder Apple Keynote umsetzbar sein – habe ich noch nie gemacht, ein guter Anreiz zum Ausprobieren.

Keyframes und Tweening kann man in Adobe Flash oder vergleichbarer Software für Multimediaanimationen einsetzen, das Thema wird kurz angerissen und gehört wirklich in den Entwicklerbereich.

Nützlich für “Jederman” ist dann noch ein Unterkapitel zum Erstellen von linearen Videos über das Abfilmen von Papier-Notizen mit einer Videokamera und der Post-Produktion mithilfe einer Schnittsoftware.

6 – Andere einbeziehen

Im letzten Kapitel geht es darum, erstellte Animationen zu nutzen, um den Designprozess in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien zu teilen, zu zeigen und sich ein User-Feedback einzuholen.

Anhand einer Fallstudie wird das “initiale mentale Modell” erklärt – darunter versteht man die durch einen Testnutzer erteilte Beschreibung dessen, was er beim Durchlaufen eines Testdesigns wahrnimmt. Der “Wizard of Oz” ist eine Anfang der 80er-Jahre entwickelte Methode für das experimentelle Design, dass die Reaktionen aus dem Computer-Backend infolge von (Tastatur-)Eingaben simuliert. “Laut denken” ist vor allem im Coaching- und Beratungskontext eine übliche Methode, um die Gedanken von Klienten bzw. im Designbereich von künftigen Nutzern “sichtbar” und nachvollziehbar zu machen.

Schlussendlich kommt dieses Kapitel auf Skizzenwände zur Präsentation und die Methode des kritischen Feedbacks zu sprechen.

Fazit generell

Besonders gefallen hat mir die visuelle Aufbereitung des Buches. Klare Gliederungen, hervorgehobene Überschriften und numerische Aufzählungen, enorm viele Fotos und Scribbles / Zeichnungen. Die Schrift ist klein, aber durch die Hervorhebungen von relevanten Stichworten, deutliche Absätze, eingefügte Infokästen und Seitenleisten mit übergeordneten Informationen orientiert man sich mit Leichtigkeit im gesamten Buch.

Toll auch die schematische inhaltliche Gliederung: in diesem Kapitel geht es um dies und das, hier sind die Punkte A bis X, Beispiele, Referenzen und Weblinks, das hast du “neu erlernt”. Ein Stichwortverzeichnis rundet die Sache ab, die (weiterführenden) Quellen muss man sich halt aus den einzelnen Kapiteln ziehen.

Da ich kein User Experience-Designer bin, kann ich nicht wirklich beurteilen, wie nützlich das Buch in diesem Kontext ist. (Bisherige Reviews sind da aber voller Lob!)

Fazit aus der Sicht einer Sketchnoterin

In der Sketchnote-Community haben wir so eine Art Running Gag, der sich auf das Zeichnen bezieht: “I cannot draw” ist schon vielfach Gegenstand von Doodles gewesen – spontanen, kleinen, leichtfüßigen Kritzeleien zur Verbesserung der individuellen Visual Literacy. Viele Sketchnoter und Graphic Facilitators haben überhaupt keine zeichnerische Ausbildung, aber sie üben täglich. Weil sie vor allem eines beherrschen müssen: komplexe Informationen schnell, einfach und verständlich visuell darzustellen.

Idealerweise geraten sie über die Zeit in eine Art “professionellen Flow”: sie haben immer ein Notiz- oder Sketchbook und ein paar Stifte dabei, sie trainieren täglich ihr Auge und ihre visuelle Wahrnehmung, sie halten alles Mögliche spontan zeichnerisch fest. Auf diese Art entsteht mit der Zeit zwangsläufig ein Sammelsurium an Ideen und Ideenausarbeitungen. Für uns ist nicht in erster Linie wichtig, dass Zeichnungen “schön” aussehen. Für uns ist wichtig, dass wir in die Köpfe derjenigen kommen, die unsere Sketchnotes “lesen” – das geschieht unter anderem über leicht verständliche Zeichnungen, die im Bildvokabular unserer Leser andocken.

Sketchnotes kommen außerdem weniger bei der Produktentwicklung, sondern eher im Dienstleistungsumfeld zum Tragen. Das “kritische Feedback” ist ein wichtiger Aspekt: bei Vor- und Nachbereitungsgesprächen von Aufträgen lasse ich mir immer beschreiben, welche Bilder die Kunden im Kopf haben, welche Motive sie passend finden bzw. ob das dann Gezeichnete ihre Vorstellungen getroffen, ergänzt oder sie enttäuscht hat.

Der professionelle Flow ist bei mir inzwischen ein Normalzustand – letztlich geht es bei allen Sketchnotes “nur noch” darum, unter meinen vielen Ideen (auch den bisher gesammelten) die eine zu finden, die mich über die detaillierte Ausarbeitung in die Köpfe und Herzen der Adressaten des Themas bringt, das ich visuell umsetzen will.

Insofern sind Sketchnoter auch Designer und Storyteller, der Bezug zur User Experience besteht aber eher darin, ob Menschen die synthetisierte visuelle Darstellung von komplexen Informationen erreicht und ob sie das Dargestellte für sich selbst nachvollziehbar finden.

Ganz persönlich empfinde ich das Buch als sehr bereichernd, der dauerhafte Platz im Bücherregal ist gesichert.

———————–

Sketching User Experiences – Hrsg.: Greenberg, Carpendale, Marquardt, Buxton

mitp-Verlag, 1. Auflage, 2014

272 Seiten, ab 21,99, broschiert

Bestellung über den Verlag: http://www.mitp.de/Business-Marketing/Sketchnotes/Sketching-User-Experiences.html

Amazon Link: http://www.amazon.de/Sketching-User-Experiences-Arbeitsbuch-Skizziermethoden/dp/3826694597

 

23 Okt

Care Camp Köln 2016 – Projektinformation

Für das Care Camp Köln 2016 fand sich als Sponsor die Bank für Sozialwirtschaft – infolge sind dann sechs an mich beauftragte Live-Sketchnotes entstanden.

Bei dem Format des Barcamps handelt es sich um eine offene Konferenzform, bei der keine festen Speaker eingeladen werden. Stattdessen sind die Teilnehmer die Experten und gestalten über ihr Fachwissen – das sie in Zeitslots von 45 Minuten präsentieren – die gesamte Veranstaltung inhaltlich selbst. Barcamps können thematisch speziell ausgerichtet sein: beim Care Camp war dies der Fall. Es ging um die Belange der Gesundheitswirtschaft.

tag-2-barcamp-als-methode tag-2-sterbebegleitung tag-2-der-award tag-1-tellerrand tag-1-implizites-wissen tag-1-corporate-blogging abschiedsgruss-sponsoren

 

17 Apr

#todaysdoodle number 300

I proudly present my #todaysdoodle number 300

I was asked to do a #doodlecollage – a format implemented by me a couple of weeks ago. Since I have recently occupied a Skill Share-course on „Patterns“, my main interest lay in how to achieve a clean gradient on collage techniques.

The collage was made on a flip chart – the course was successful. On the Web, it even looks as if I had used large pieces of paper. I can assure you: the curves from the top left and bottom right were produced with matching narrow strip carefully. The middle section should fit well by color and uniform visual language. What do you think – succeeded, right?

to flow or not to flow_300

02 Mrz

Todaysdoodle at the #smwhh

In the course of 250 days, I also became a „Doodle Revolutionary“. At this year’s Social Media Week in Hamburg therefore, there was a presentation about Doodling.

Sorry, lightly beat – after three weeks stubborn defense the flu finally caught me – nevertheless I was on the last Friday in front of about 20 people with a lecture on #todaysdoodle as a free drawing school at Twitter.

If you like to have a look at those doodles from time to time, without following the hashtag on Twitter: there is a Flipboard magazine that is updated daily once in the late evening on the current state.

Otherwise, the promised slides here – just click on the related links at the PPT for further reading. For better view maximize the presentation to full size.

[embeddoc url=“http://www.andrea-bruecken.de/wp-content/uploads/2015/03/EN-Todaysdoodle-SMWHH15.pptx“ viewer=“microsoft“]
10 Jan

Der Weg einer „detailled“ Sketchnote

Todaysdoodle Nummer 200 ist eine Sketchnote

Todaysdoodle Nummer 200 ist eine Sketchnote

Todaysdoodle Nummer 200 in Folge war in der ersten Januarwoche fällig, natürlich wollte ich hier etwas „Besonderes“ erstellen. Herausgekommen ist eine sehr schöne, detailreiche und sorgfältig erarbeitete Sketchnote.

Gleich vorab: das sind keine persönlichen Neujahrs-Vorsätze. Die haben bei mir noch nie funktioniert, daher habe ich inzwischen eine Strategie der „kleinen Schritte“ entwickelt, mit denen ich gewünschte Veränderungen herbei führe.

Viele Menschen sehen das nicht so und nehmen sich zu Jahresbeginn große Aufgaben vor. Diese schaffen sie zunächst gut, je mehr Zeit jedoch verstreicht, desto schneller fallen sie in alte Verhaltens-Muster zurück. (In der Sketchnote thematisiert)

Zeigen möchte ich aber eigentlich den Entwicklungsprozess der zeichnerischen Arbeit. Denn bei dieser Sketchnote handelt es sich um eine „Slow-Sketchnote„, wie man sie zuhause in Ruhe, mit Vorzeichnungen und Konzeption erstellt.

Das Konzept enthielt die Idee, verschiedene Vintage-Rahmen und Vintage-Schriften mit modernen Elementen zu mischen. Das Thema sollte im Zentrum stehen, das Storytelling sich von links oben in einem rechts herum laufenden Kreis aufbauen. Dazu sollte sich in jeder Ecke der Sketchnote ein zentrales visuelles Element befinden. Als Konnektoren waren von Anfang an Pfeile vorgesehen, als Separatoren nur weiße Zwischenräume.

Der Zeitaufwand für das reine Zeichnen lag bei cirka vier Stunden, vorgegangen bin ich in verschiedenen Schritten.

Schritt 1: Rahmen

Mein Zeichenblock hat ein Letterformat, daher habe ich die Rahmen genutzt, um grob einen DIN A 4-Bereich einzugrenzen. Die Ecken werden später noch verziert. Außerdem hatbe ich auf diese Weise die Anlage für die Platzierung der vier visuellen Kern-Elemente gelegt, von denen man hier die Anfänge der ersten beiden sieht.

Rahmen

Schritt 2: Visuelle Elemente

Hier sieht man die vier visuellen Elemente, die sich an den Ecken ausrichten.

Visuelle Elemente

Schritt 3: Zentraler Bereich

Für das Zentrum war ein kreisförmiges Vintage-Element vorgesehen. Außen herum sollten sich in moderner Schrift passende zentrale Stichworte befinden – jeweils unter den visuellen Elementen liegend. Diese mussten kurz und knackig sein, um die Platzaufteilung und die visuelle Wirkung nicht zu beeinträchtigen.

Zentraler Bereich

Schritt 4: Storytelling & Lettering

Hier ging es an das Erzählen der „Geschichte“. Kurze Zwischentexte sollten erklären, was es mit den vier zentralen Stichworten (und Visualisierungen) auf sich hat. Außerdem habe ich verschiedene Schriften ausprobiert. Bereits angelegt ist der Erzählpfad durch Pfeile, die später dunkel koloriert werden.

Storytelling & Lettering

Schritt 5: Konnektoren & Zentrum

Die Pfeile sind geschwärzt, das zentrale Thema ist in Vintage-Schrift im Zentrum eingezeichnet. Die Ecken haben ein Vintage-Muster erhalten.

Konnektoren & Zentrum

Schritt 6: Koloration, Schattierungen & Feinarbeit

Ein sauberer Scan zeigt zum Schluss die letzten Arbeitsschritte fast so gut, wie es im Original auf Papier aussieht. Farbe wurde hinzugefügt, wobei ich mich auf Blau und Orange als Komplementärfarben festgelegt habe. Alles andere ist in grauen Schattierungen gehalten.

Todaysdoodle Nummer 200 ist eine Sketchnote

Todaysdoodle Nummer 200 ist eine Sketchnote

Verwendetes Material:

  • Sketchbook 21,6 cm x 28 cm
  • Papierdichte 65 lb. / 100 g/m2
  • Staedtler Fineliner-Set 0.05mm – 0,8mm
  • Delta-Marker (die sich leider nicht gut mit der rauhen Papieroberfläche vertrugen)
  • Letraset Promarker-Set „Cool Grey“

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden.

Schließen