30 Mrz

Rezension: Visual Selling

visual selling cover

Visualisierungen im Kundengespräch zu benutzen ist eine tolle Idee. Die erste Hürde ist die Frage: Kann ich das überhaupt? Man kann es zumindest lernen, wie Miriam und Marko Hamel in ihrem Buch “Visual Selling” beweisen.

Die Autoren

Miriam und Marko Hamel sind beide studierte Informationstechniker. Marko beriet und trainierte bei SAP Deutschland im Pre-Sales in den Bereichen SAP Software und Mobile Business. Außerdem ist er Spezialist für IT-Prozessoptimierung. Seit 2015 hält er Gastvorträge an der HdWM Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim zu visuellem Denken. Miriam beriet und trainierte gleichfalls bei SAP Deutschland zu IT-Sicherheitslösungen und ist als betriebliche Datenschutzbeauftragte ausgebildet. Seit 2015 hält sie regelmäßig Gastvorträge an der IUBH School of Business and Management in Erfurt zu visuellem Denken.

Das Buch

Im Vorwort finden wir zuerst Dan Roam – einen bekannter Visualisierer, Autor des Buches “The back of the napkin” und Berater von Firmen wie Google, Boeing, eBay, Microsoft, Wal-Mart und Wells Fargo. Zudem erklärt Andreas J. Wagner, derzeit Vice President SP Ariba MEE, wie es zu diesem Buch kam: Marko Hamel erhielt den Auftrag, ein Training zu entwickeln, das neue Verkaufstechniken und Storytelling miteinander verbindet. Besagtes Training diente als Grundlage für das hier besprochene Buch. Das Training war gedacht für den B2B-Software-Verkauf. Schon nach dem Durchblättern der ersten Seiten war mir aber klar, dass man aus “Visual Selling” für jede Art von Kundengespräch und Verkaufsprozess hilfreiche Tipps ziehen kann.

Man kann sich mit diesem Buch fit machen, um im Kundengespräch Fragen, Probleme, Lösungen und Arbeitsschritte visuell zu begleiten. Im Angesicht einer digitalisierten Arbeitswelt, die zunehmend zeitlich begrenzte Projektarbeit erfordert und künftig viel mehr Freischaffende mit besonderen Spezialisierungen benötigt, ist so ein Buch ein echtes Fundstück. Denn all diese Projektarbeiter*innen werden sich in Zukunft verstärkt selbst verkaufen müssen. Und wer weiß? Vielleicht geben die Autoren in Zukunft eine angepasste Fassung für die Arbeitswelt 4.0 heraus?

Kommunikation zuerst

Zurück zum vorliegenden Buch. Es ist ein Arbeitsbuch mit vielen Templates, zu denen man mit dem Kauf auch einen Online-Zugriff auf PDF-Downloads erhält. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Visualisierung geht es gleich los mit Tipps zum Auflockern und Vorbereiten auf Gespräche. Ganz im Sinne eines Storytellings führt uns der Charakter Tom Sieger (ja, ich habe auch geschmunzelt) durch grundlegende Kommunikationstechniken.

Als zertifizierter Coach erkenne ich gleich, dass es sofort am Anfang um eine kleine Bestandsaufnahme meiner Gesprächsführungs-Kompetenzen geht. Ein kurzer Blick in das Nachwort bestätigt meine Vermutung, dass im Buch mit den Persönlichkeits- und Verhaltenstypen nach DiSG gearbeitet wird. Dieses Modell basiert auf einer Typologie von William Moulton Marston aus dem Jahr 1928 und war vor knapp zehn Jahren noch Teil der Standardausbildung als Coach. Es klassifiziert nach einem groben Raster Persönlichkeitstypen und Verhaltensmuster und dient in vielen Coaching-Prozessen als Grundlage oder Teilschritt zum Festlegen von Parametern im Entwicklungsprozess von Personen und Unternehmen.

Da ich nicht mehr als Coach arbeite, kann ich nicht sagen, ob es neuere und “bessere” Modelle in den aktuellen Ausbildungen gibt. Ich möchte das Modell auch nicht bewerten – es ist im Rahmen von Trainingskonzepten ein bewährter Bestandteil, der sich vielfältig einsetzen lässt.

 

Inhaltsübersicht. Mit freundlicher Genehmigung durch Autoren & Verlag

 

Gedanken strukturieren

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Macht der Bilder und fordert zum Anlegen einer visuellen Bibliothek auf – in diesem Rahmen wird das “IdeaPix” genannt. Der Fokus liegt natürlich auf Bildern im Rahmen des Vertriebs: Ein bestehendes Bildvokabular erlaubt es, dem potenziellen Kunden unmittelbar Gedanken und Ideen zu visualisieren. Dazu gibt es Anreize, sich mit spontaner Visualisierung zu beschäftigen. Auch hier findet sich das DiSG-Modell, damit man einen guten Zugang zur eigenen Art des Visualisierens findet. Hinweise zu Strukturierung, Grids, Einsatz von Schrift und Farbe runden das Kapitel ab.

Der Vertriebszyklus

Kunden verstehen setzt aktives Zuhören voraus. Das ist keine neue Weisheit, trotzdem findet sich allzu oft in jeder möglichen Form des Marketings (online und offline) immer noch der alte Weg: One-Way-Communication. Sprich: Ich verkauf dir mal was, hier ist mein Produkt. Friss oder stirb. Wir werden nicht nur in den Neuen Medien mit Bildern überschwemmt. Daher ist ein Kapitel wie dieses dritte mit der Aufforderung zum Dialog natürlich ein hervorragender Ansatz: Moderne Verkaufsmethoden mit Kundenzentrierung durch eine zeitgemäße Kommunikationstechnik wie der des Visualisierens zu stützen.

Dieses Kapitel geht sehr intensiv auf die praktische Gestaltung von Dialogen ein und ist das umfassendste im Buch. Es thematisiert den Vertriebszyklus, behandelt die Befragung zur Herstellung eines gemeinsamen Kontextes, analysiert das Verstehen von Aktionen und geht auf Begriffe wie Werte, Identität, Wunsch, Problem und Lösung ein. Der Perspektivenwechsel kommt zur Sprache sowie der Einsatz von Diagrammen. Natürlich geht es auch um das Storytelling und wie man es im Verkaufsprozess einsetzen kann. Das Kapitel schließt mit einem Visualisierungsbeispiel für einen kompletten Business Case.

 

 

Digitale Welt

Kapitel 4 stellt im Ansatz die Möglichkeiten der digitalisierten Welt vor, zum Beispiel die Nutzung von Online-Meetings. Wie richtet man Kamera und Beleuchtung als Moderator / Präsentator gut ein? Es gibt Tablets! Keine Angst, auch damit kann man arbeiten. Enthalten sind grundlegende Tipps für den Einsatz von geeigneter Technik.

Fazit

Man muss kein Anhänger oder Gegner bestimmter Methoden sein: Wenn sie sich im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sinnvoll einsetzen lassen, ist das aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Hier liegt uns ein Arbeitsbuch vor, das sich mit dem Einsatz von Visualisierungen für ein spezielles Gebiet beschäftigt: Der Gestaltung eines erfolgreichen Kundengespräches für den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen.

Als professionelle Sketchnoterin empfinde ich die Visualisierungen als hervorragend schlicht und handlich. Auf Schnörkel und Schönzeichnungen wird verzichtet. Es geht einzig darum, Menschen an die Technik des Visualisierens heran zu führen. Gestützt wird dies durch Templates, die man leicht nachzeichnen oder sogar herunter laden kann.

Dass die Autoren aus ihrem Wissen eine Marke gemacht haben, verwundert nicht. In einer aktualisierten Ausgabe würde ich mir lediglich etwas tiefergehende Erklärungen zum Einsatz von digitalen Tools wünschen.

 

 

Visual Selling – Das Arbeitsbuch für Live-Visualisierungen im Kundengespräch

Miriam & Marko Hamel, 1. Auflage 2016

224 Seiten, Softcover, Wiley-VCH Verlag & Co. KGaA, Weinheim

 

Buch 22,80 € beim Verlag bestellen

Buch 24,99 € bei Amazon bestellen*

ISBN: 978-3-527-50885-3

(* Affiliate-Link, wenn du das Buch über Amazon kaufst, erhalte ich eine kleine Provision)
18 Feb

Rezension: Die Sketchnote Starthilfe

Rezensionsexemplar ist angekommen

Strich-für-Strich-Anleitungen, Übungen zum Nachzeichnen und eine Menge Tipps. Zum Jahresanfang erschien eines der ersten Fachbücher zum Sketchnoting aus deutscher Feder. Für Anfänger ist das Buch „Die Sketchnote Starthilfe“ von Tanja Wehr eine Empfehlung wert.

Ich kann nicht zeichnen

“Beim Start ins Sketchnoter-Leben ist eine Sache enorm wichtig: Man muss sich etwas trauen.” heißt es in der Einführung. Damit hat Tanja Wehr den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn neben dem Zuhören und Mitdenken, dem Weglassen und Komprimieren der Inhalte gilt es auch noch, den einen Gedanken zu überwinden, der den meisten von uns zu Beginn im Kopf herum schwebt: Ich kann nicht zeichnen.

Die Autorin allerdings gibt in der Einführung gleich erste Beispiele und Tipps für den Start. Das Buch ist dann in vier Teile gegliedert: Bildsprache, Schriftarten, Feinschliff und vertiefende Tipps für die Praxis.

Bilderwelten

Im ersten Teil wird in drei Kapiteln ausführlich auf verschiedene Bilderwelten, Menschen und ihren emotionalen Ausdruck sowie auf strukturierende Elemente wie Rahmen, Schilder und Banner eingegangen. Was mir gleich besonders gut gefällt: der Zweifarben-Druck wird geschickt eingesetzt, um in drei bis sechs Schritten zu zeigen, wie man vom ersten Strich zum fertig gezeichneten Objekt kommt.

Auf diese Weise ist es wirklich kinderleicht, sofort beim ersten Versuch Begriffe wie Leuchtturm, Rakete, Schneebesen oder Flaschenpost zu zeichnen. Die Bilderwelten behandeln verschiedenste Themen wie Haushalt, Architektur, Sport, Lebensmittel, Büro, Wirtschaft, Wissenschaft. Da ich seit der Kindheit Science Fiction Fan bin, hat mich besonders das Thema Outer Space angesprochen!

Der Roboter hat Gelenke

Quelle: Die Sketchnote Starthilfe, Auszug. Mit freundlicher Genehmigung von Tanja Wehr & MITP-Verlag

Menschen und Primärgefühle

Das Kapitel Menschen ist sehr kurz, beinhaltet aber das Wesentliche. Beim Zeichnen von Portraits sollte man sich auf grundsätzliche Merkmale von Gesichtern konzentrieren. Für Emotionen auf Gesichtern empfiehlt die Autorin, sich auf Primärgefühle zu beschränken. Bei der Körperdarstellung zeigt sie die anatomische Unterteilung mit den Gelenken auf, wie man sie von den handelsüblichen Zeichenpuppen kennt.

Im letzten Kapitel zu den Hilfsmitteln fehlen mir persönlich die Pfeile, die man als wesentliches Element der Leseführung benutzen kann. Oft sind Sketchnotes nicht nur Dokumentation für Anwesende eines Ereignisses, sondern helfen Interessierten beim Nachvollziehen eines Geschehens, dem sie eben nicht beigewohnt haben. Daher ist es vor allem wichtig, die Leser einer Sketchnote zu führen.

Schrift

Der zweite Teil geht auf die Schrift ein. Blockbuchstaben sind ein guter Anfang: Durch die Höhe, Breite, den Zwischenabstand und die Neigung von Buchstaben ergeben sich schon verschiedene Schriftarten. Sowohl für Blockschrift als auch Schreibschrift stellt die Autorin vier bis fünf verschiedene Beispielsätze vor, an denen man üben kann. Ein kleiner Abschnitt ist dann auch noch dem Handlettering – dem Schönschreiben – gewidmet.

Strich für Strich Anleitungen für Sketchnoter

Die Sketchnote Starthilfe – Cover

Akzente und Struktur

Teil Drei widmet sich dem Setzen von Schatten und dem Einsatz von Farbe zur Akzentuierung sowie dem Aufbau einer Sketchnote. Drei Schemata werden vorgeschlagen, mit denen man als Anfänger gut zurecht kommt: die Cloudwolke mit dem Titel in der Mitte, der chronologische Pfad und die Reihung über senkrechte Spalten – auch Wolkenkratzer genannt.

 

 

Von hier aus geht’s weiter

Im vierten Teil schlägt Tanja Wehr Hilfestellungen für das Live-Zeichnen vor. Einige davon kann man in Vorbereitungen einbinden: Informationen einholen, Titel vorbereiten, Icons vorzeichnen. Sie empfiehlt den Einsatz von Bleistift zum Vorzeichnen und dass man sich an der bestehenden Gliederung von Vortragsfolien sowie der vorhandenen Bildsprache orientiert.

Das Buch schließt mit vielen kleinen Tipps. Ob es um das Anfertigen und Arbeiten mit Schablonen geht, das Anlegen von Icon-Fibeln mit digitalen Tools wie Evernote, dem Üben anhand von Sketch-Rezepten, Sketch-Landkarten und Online-Challenges auf Instagram oder Twitter: von all diesen Punkten aus kann man gut weiterarbeiten, um die eigenen Fertigkeiten Stück für Stück zu erweitern.

Umschlag mit schöner Zeichnung

Die Sketchnote Starthilfe ist da!

Buch bestellen

Für den MITP-Verlag habe ich schon „Sketching User Experiences“ und „Visuelle Meetings“ rezensiert. Der Verlag hat ein großes Interesse an neuen Themen und unterstützt den Bereich Visual nach Kräften. Als Blogger wird man sehr zuvorkommend, aufmerksam und herzlich behandelt. Ich habe mich riesig über die kleinen Zeichnungen auf dem Sendungsumschlag und dem Anschreiben gefreut. Bestellt doch bitte das Buch eher direkt über den Verlag als über Amazon.

Die Sketchnote Starthilfe

Tanja Wehr, 1. Auflage 2016

264 Seiten, Softcover, zweifarbig

Buch 24,99 €, PDF oder EPUB 21,99 €

ISBN 978-3-95845-366-1

MITP-Verlag Die Sketchnote Starthilfe

05 Mrz

Sketching User Experiences – Rezension

Sketching User Experiences.jpg

Sketching User Experiences – Das praktische Arbeitsbuch zum Erlernen von Skteching und zahlreicher Skizziermethoden

Die Motivation von Bill Buxton, Designer und Wegweiser für Mensch-Computer Interaktion bei Microsoft Research, lag ursprünglich darin, das einfache Skizzieren als Methode für Designprozesse zu erklären. Denn seiner Ansicht nach waren viele Interaktionsdesigner, mit denen er arbeitete, nicht ausreichend visuell und zeichnerisch geschult. Das Ergebnis ist dieses tolle Handbuch, das im Rahmen vieler Prozesse zur Anwendung kommen kann, die mit dem Entwickeln von Ideen und Produkten zu tun haben.

Das Buch versammelt eine riesige Anzahl an Techniken, die sowohl die Ideenentwicklung, das Skizzieren, das Storytelling und die Prozesse im Rahmen von User Experience unterstützen – und die auch von ungeübten Zeichnern benutzt werden können.

Besonders erfreulich: tatsächlich wird in den spezialisierten Kapiteln darauf eingegangen wie man visuelle Präsentation im Rahmen von kritischem Feedback nutzen kann. Und darum geht es ja bei der User Experience: kann der Nutzer mit dem finalen Produkt leicht und einfach arbeiten oder nicht? Wie soll man das anders herausfinden, als den Nutzer zu fragen?

Schauen wir uns erstmal die Inhalte an, gegliedert ist das Buch in sechs Kapitel.

1- Einstimmung

Es geht um grundsätzliche Fragen: Was ist eine User Experience und warum eignen sich Skizzen für die alltägliche Arbeit im Designbereich? Wie sieht ein Designprozess aus? Warum ist ein Skizzenbuch sinnvoll?

Und schon gibt es drei Übungsaufgaben mit Visualisierungen. Natürlich geht es bei den Aufgaben um mobile Geräte beziehungsweise Computer. Aber ich möchte behaupten, dass man a) hierbei grundsätzlich den Designprozess versteht, nach Stuart Pugh auch “Designtrichter” genannt und b) sich selbst die Aufgaben für andere Produkte umformulieren kann.

2- Ideenfindung in der realen Welt

Scribbeln ist die Vorstufe aller Zeichnungen: in kurzer Zeit überall und jederzeit Ideen ganz simpel festhalten und sich nur auf das konzentrieren, was man für wichtig hält. Betont wird in diesem Kapitel, dass man täglich in der realen Welt viele Ideen sammeln kann. Neben Scribbles sind Fotos, Mustersammlungen von Gegenständen, Bilder und Zeitungsausschnitte ein probates Mittel für die Ideenfindung.

Buxton fordert dazu auf, sich eigene Sammelschemata aufzubauen und führt seine kuratierte Sammlung als Beispiel an.  

3 – Das Einzelbild

Dem Thema Einzelbild sind volle 70 Seiten in mehreren Abschnitten gewidmet. Neben der zeichnerischen Linienführung geht es um die Schulung des Auges, den Aufbau eines zeichnerischen Bildvokabulars, verbindende und trennende Elemente sowie einfache Strichmännchen. Außerdem wird die kollaborative Arbeit an Skizzen angesprochen.

Danach gehen die Autoren auf Slideware ein, also Programme zum Erstellen von Präsentationen mit Folien. Haftnotizen finden ihren Platz genauso wie eingebettete Fotos und abgepauste Fotos. Abpausen ist aber doch nicht Zeichnen? Nein, aber darum geht es ja auch nicht. Sketch- und Bildbearbeitungssoftware mit Layern ist grundsätzlich fantastisch, um über das Abpausen von Fotos zu lernen, wie man etwas zeichnerisch simpel umsetzt. Und das Vermischen von Fotos mit Skizzen fördert den Kreativitätsprozess enorm.

4 – Zeitschnappschüsse: die visuelle Erzählung

Das kann man nicht besser formulieren: “Interaktionsdesign ist in sofern einzigartig, als dass man sich das Verhalten einer Person vorstellt, während diese über eine gewisse Zeit mit einem System interagiert.”

In diesem Kapitel wird es fachspezifisch. Storyboards können auf verschiedene Weise “gebaut” werden: sequenziell, als Zustandsübergangsdiagramm, verzweigt oder narrativ. Das Kapitel ist reich und anschaulich mit Visualisierungen bestückt, so dass man leicht versteht worin die Unterschiede zwischen den Methoden liegen.

Selbst für nicht so designorientierte Sketchnoter wie mich gab es hier noch einige interessante Learnings. Neben dem Rastern und Synthetisieren von Informationen erzählen Sketchnoter nämlich gerne Geschichten, sofern das möglich ist. Und Geschichten haben immer Protagonisten, die in Interaktion miteinander stehen.

5 – Die User Experience animieren

Ein weiteres Spezialthema ist die Animation von Bildsequenzen. Zunächst geht es um das Animieren einer Szene über Frames und Bewegungspfade innerhalb von Slideware. Etwas komplizierter wird es dann im Abschnitt über das Arbeiten mit verzweigten Animationen. Das alles soll in Powerpoint oder Apple Keynote umsetzbar sein – habe ich noch nie gemacht, ein guter Anreiz zum Ausprobieren.

Keyframes und Tweening kann man in Adobe Flash oder vergleichbarer Software für Multimediaanimationen einsetzen, das Thema wird kurz angerissen und gehört wirklich in den Entwicklerbereich.

Nützlich für “Jederman” ist dann noch ein Unterkapitel zum Erstellen von linearen Videos über das Abfilmen von Papier-Notizen mit einer Videokamera und der Post-Produktion mithilfe einer Schnittsoftware.

6 – Andere einbeziehen

Im letzten Kapitel geht es darum, erstellte Animationen zu nutzen, um den Designprozess in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien zu teilen, zu zeigen und sich ein User-Feedback einzuholen.

Anhand einer Fallstudie wird das “initiale mentale Modell” erklärt – darunter versteht man die durch einen Testnutzer erteilte Beschreibung dessen, was er beim Durchlaufen eines Testdesigns wahrnimmt. Der “Wizard of Oz” ist eine Anfang der 80er-Jahre entwickelte Methode für das experimentelle Design, dass die Reaktionen aus dem Computer-Backend infolge von (Tastatur-)Eingaben simuliert. “Laut denken” ist vor allem im Coaching- und Beratungskontext eine übliche Methode, um die Gedanken von Klienten bzw. im Designbereich von künftigen Nutzern “sichtbar” und nachvollziehbar zu machen.

Schlussendlich kommt dieses Kapitel auf Skizzenwände zur Präsentation und die Methode des kritischen Feedbacks zu sprechen.

Fazit generell

Besonders gefallen hat mir die visuelle Aufbereitung des Buches. Klare Gliederungen, hervorgehobene Überschriften und numerische Aufzählungen, enorm viele Fotos und Scribbles / Zeichnungen. Die Schrift ist klein, aber durch die Hervorhebungen von relevanten Stichworten, deutliche Absätze, eingefügte Infokästen und Seitenleisten mit übergeordneten Informationen orientiert man sich mit Leichtigkeit im gesamten Buch.

Toll auch die schematische inhaltliche Gliederung: in diesem Kapitel geht es um dies und das, hier sind die Punkte A bis X, Beispiele, Referenzen und Weblinks, das hast du “neu erlernt”. Ein Stichwortverzeichnis rundet die Sache ab, die (weiterführenden) Quellen muss man sich halt aus den einzelnen Kapiteln ziehen.

Da ich kein User Experience-Designer bin, kann ich nicht wirklich beurteilen, wie nützlich das Buch in diesem Kontext ist. (Bisherige Reviews sind da aber voller Lob!)

Fazit aus der Sicht einer Sketchnoterin

In der Sketchnote-Community haben wir so eine Art Running Gag, der sich auf das Zeichnen bezieht: “I cannot draw” ist schon vielfach Gegenstand von Doodles gewesen – spontanen, kleinen, leichtfüßigen Kritzeleien zur Verbesserung der individuellen Visual Literacy. Viele Sketchnoter und Graphic Facilitators haben überhaupt keine zeichnerische Ausbildung, aber sie üben täglich. Weil sie vor allem eines beherrschen müssen: komplexe Informationen schnell, einfach und verständlich visuell darzustellen.

Idealerweise geraten sie über die Zeit in eine Art “professionellen Flow”: sie haben immer ein Notiz- oder Sketchbook und ein paar Stifte dabei, sie trainieren täglich ihr Auge und ihre visuelle Wahrnehmung, sie halten alles Mögliche spontan zeichnerisch fest. Auf diese Art entsteht mit der Zeit zwangsläufig ein Sammelsurium an Ideen und Ideenausarbeitungen. Für uns ist nicht in erster Linie wichtig, dass Zeichnungen “schön” aussehen. Für uns ist wichtig, dass wir in die Köpfe derjenigen kommen, die unsere Sketchnotes “lesen” – das geschieht unter anderem über leicht verständliche Zeichnungen, die im Bildvokabular unserer Leser andocken.

Sketchnotes kommen außerdem weniger bei der Produktentwicklung, sondern eher im Dienstleistungsumfeld zum Tragen. Das “kritische Feedback” ist ein wichtiger Aspekt: bei Vor- und Nachbereitungsgesprächen von Aufträgen lasse ich mir immer beschreiben, welche Bilder die Kunden im Kopf haben, welche Motive sie passend finden bzw. ob das dann Gezeichnete ihre Vorstellungen getroffen, ergänzt oder sie enttäuscht hat.

Der professionelle Flow ist bei mir inzwischen ein Normalzustand – letztlich geht es bei allen Sketchnotes “nur noch” darum, unter meinen vielen Ideen (auch den bisher gesammelten) die eine zu finden, die mich über die detaillierte Ausarbeitung in die Köpfe und Herzen der Adressaten des Themas bringt, das ich visuell umsetzen will.

Insofern sind Sketchnoter auch Designer und Storyteller, der Bezug zur User Experience besteht aber eher darin, ob Menschen die synthetisierte visuelle Darstellung von komplexen Informationen erreicht und ob sie das Dargestellte für sich selbst nachvollziehbar finden.

Ganz persönlich empfinde ich das Buch als sehr bereichernd, der dauerhafte Platz im Bücherregal ist gesichert.

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Sketching User Experiences – Hrsg.: Greenberg, Carpendale, Marquardt, Buxton

mitp-Verlag, 1. Auflage, 2014

272 Seiten, ab 21,99, broschiert

Bestellung über den Verlag: http://www.mitp.de/Business-Marketing/Sketchnotes/Sketching-User-Experiences.html

Amazon Link: http://www.amazon.de/Sketching-User-Experiences-Arbeitsbuch-Skizziermethoden/dp/3826694597

 

19 Jan

Buchrezension: Visuelle Meetings

Das Belegexemplar des mitp-Verlages verlose ich unter Interessenten. Dafür einfach den Artikel bzw. das Posting in den Social Networks bis zum 31.1.2016 auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram teilen mit dem Hashtag #verlosungVM und nicht vergessen, mich zu taggen.

 

David Sibbet: Visuelle Meetings – Meetings und Teamarbeit durch Zeichnungen, Collagen und Ideen-Mapping produktiver gestalten

David Sibbet ist zumindest allen bekannt, die sich mit Change-Management in großen Systemen beschäftigen. Apple und HP profitierten in den vergangenen Jahrzehnten von seiner Arbeit genauso wie verschiedene Stiftungen und gemeinnützige Organisationen. Mit seiner Beratungsfirma The Grove Consultants arbeitet er seit Anfang der 80er Jahre im Bereich Visual Literacy. Kreativität in der Kommunikation sieht David Sibbet als wirkungsvolles Mittel in einer zunehmend komplexer werdenden Welt.

Das Buch “Visual Meetings” erschien 2010 erstmalig und wurde schon im Folgejahr ins Deutsche übersetzt. Gegliedert ist es in fünf Kapitel, deren Inhalte ich kurz vorstellen will.

1. Stellen Sie sich vor… Meetings wären wirklich lustig UND produktiv!

Zunächst plaudert Sibbet ein bisschen aus dem Nähkästchen und schildert den Ablauf einer Leadership Expedition, die er 1985 für die neue Apple University entwickelte. Schon hier zeigt sich seine Liebe zum Storytelling, die man bei allen visuell Arbeitenden findet. Im Anschluss erläutert er, wie sich aufgrund dieser Erfahrungen bestimmte Muster herauskristallisierten: daß Menschen, die visuell begleitet werden, Prozesse besser nachvollziehen, andere Fragen stellen, Informationen besser speichern und Muster leichter erkennen. Wichtig scheint ihm außerdem, Meetingziele im Vorfeld zu visualisieren, um Teilnahmewilligkeit, Engagement und Interaktion zu fördern.

Schließlich geht Sibbet noch darauf ein, dass wir Menschen von Kind an als erstes die visuelle Sprache benutzen und zeigt viele einfache Übungen auf, um diese bei Erwachsenen meist verschütteteten Kenntnisse zu reaktivieren. Ein kleines 1 x 1 an Formen, Linien und Strichmännchen wird zur Verfügung gestellt wie auch Tipps für das Arbeiten an großformatigen Charts und in Notizbüchern. Ergänzt werden diese Techniken durch Methoden zur Gliederung und durch diverse Beispiele für Einsatzszenarien.

2. Gruppen beteiligen & Bezug aufbauen – Warum visuelles Zuhören wirkungsvoll (& einfach) ist

Im zweiten Abschnitt geht es zuerst vertiefend um das Aktivieren durch den Beziehungsaufbau zu den Anwesenden und die Rolle des aktiven Zuhörens. Danach folgt ein Kapitel zum visuellen Präsentieren und eins zum Beraten und Verkaufen mittels Visualisierung “auf der selben Tischseite”. Die folgenden beiden Kapitel beschäftigen sich mit dem Einsatz von Haftnotizen, Collage-Techniken und Bildkarten.

3. Grafiken für visuelles Denken – Ideen-Mapping & Mustererkennung

Im dritten Abschnitt zieht Sibbet alle Register aus seinem Wissen in der Organisationsberatung und dem Change Management. Es geht im Kern darum, wie man Gruppen dazu bringt, aus Prozessen auch tatsächlich gewinnbringende Erkenntnisse zu ziehen. Dafür stellt er zunächst das Group Graphics Keyboard vor, ein von Grove entwickeltes Tool, dass die “Grammatik der visuellen Sprache” darstellt. Poster, Listen, Gruppen, Raster, Diagramme, Zeichnungen und Mandalas erfüllen in diesem Modell bestimmte Rollen. Danach folgen praktische Anwendungsbeispiele.

Weiter geht es dann mit Techniken wie Mindmapping, visueller Planung, Breakoutgruppen, Galeriespaziergängen, Dokumentationen und Berichten mittels Fotografie sowie Webkonferenzen.

4. Grafiken für die Umsetzung – Visuelle Hilfsmittel für Teams, Projekte & Ergebnisse

Der vierte Abschnitt geht vor allem auf verschiedene Szenarien ein: Wie fördert man Teamleistung? Wie befeuert man die Entscheidungsfindung? Wie prüft man mit visuellen Mitteln Schritte im Rahmen von Projektmanagement? Wie moderiert man Innovationsprozesse? Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es im Bereich von Schulung und Workshop?

5. Die Fäden zusammenlaufen sehen – Tools für die ernsthaft Interessierten

Die Überschrift ist ein kleines bisschen “frech” – auf jeden Fall erhält man hier noch einmal ein gerütteltes Maß an Gründen und “Ermahnungen”, dass man sich selbst gut aus- und weiterbilden beziehungsweise vorbereiten muss, um mit visuellen Techniken zu arbeiten. Enthalten ist in diesem Abschnitt auch der Hinweis auf die Digitale Welt und ihre Möglichkeiten, die ja bereits offensichtlich dazu beitragen, dass sich die moderne Arbeitswelt rasant verändert – und somit auch die Form und Umsetzung von Meetings. Hinweise auf diverse Netzwerke, Literaturvorschläge und ein Glossar schließen das Buch.

Fazit

Das Querformat von 24,0 x 17.0 cm erlaubt ein Layout, in dem der Text “innen” an der Bindekante sitzt während “außen” am Rand Platz für Scribbles, Zeichnungen und Infokästen ist. Die Texte sind gut gegliedert mit Absätzen und Zwischenüberschriften – einzig stört mich die Wahl einer doch sehr kleinen, hauchdünnen Serifen-Schrift, die ich als nicht so angenehm zu lesen empfand.

Inhaltlich ist das Buch rundum gelungen, obwohl ich persönlich auf einige der Erfahrungsgeschichten und viele theoretische Erläuterungen hätte verzichten können. Eine klarere Trennung von Theorie und Praxis hätte ich bevorzugt.

Für das praktische Arbeiten mit dem Buch empfiehlt es sich, gleich Post-it-Streifen an die Stellen zu setzen, die sich mit konkreten Übungen befassen. Man muss das Buch übrigens nicht chronologisch “lesen” sondern kann sich gut die Themen und Methoden heraussuchen, die man selbst gerade braucht.

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David Sibbet: Visuelle Meettings – Meetings und Teamarbeit durch Zeichnungen, Collagen und Ideen-Mapping produktiver gestalten

mitp-Verlag, 1. Auflage, 2011

288 Seiten, 29,95, broschiert

Bestellung über den Verlag: http://www.mitp.de/Business-Marketing/Sketchnotes/Visuelle-Meetings.html

Amazon Link http://www.amazon.de/Visuelle-Meetings-Zeichnungen-Ideen-Mapping-produktiver/dp/3826691075

 

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