20 Mai

Leuchtfeuer40-MOOC – Projektinformation

Seit Jahren bin ich Influencer in der ununitv/FLOWCAMPUS Community. In diesem Rahmen bringe ich meine Visualisierungskenntnisse auf vielfältige Weise ein.

Dort biete ich zum Beispiel den Online-Kurs für Sketchnoting-Basics an und habe im Frühjahr 2016 die Input-Videos aus dem MOOC zur Arbeit 4.0 in Form von Sketchnotes festgehalten.

Für den zweiwöchigen MOOC Leuchtfeuer 4.0 habe ich als offizielle Unterstützerin Icons, Badges, eine Kopfgrafik und Sketchnotes erstellt. In dem MOOC geht es um „Regionale Bildung & Arbeit 4.0“.

Technik: Digitales Sketchnoting mit dem WACOM Cintiq 13 Zoll. Programme: Autodesk Sketchbook Pro und Adobe Photoshop.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

14 Mai

Rezension: Sketchnotes für Alles

Buch Visuelle Notizen Nadine Roßa

Visuelle Notizen für Alles – mit diesem Titel stellt Nadine Roßa ihr Sketchnote-Buch für Einsteiger vor. Es folgt eine Reise durch alle Grundlagen mit vielen anschaulichen Illustrationen.

Das wundert nicht, denn Nadine ist von Haus aus Grafikerin und Illustratorin. Auf Sketchnotes ist sie relativ spät in ihrer beruflichen Laufbahn durch Eva-Lotta Lamm aufmerksam geworden. Die Visual Designerin hat Kommunikationsdesign studiert, lebt in Berlin und schreibt den Blog für Design made in Germany.

Cover Sketchnotes für Alles

Cover: Sketchnotes für alles von Nadine Roßa

Warum Sketchnotes

Das Buch beginnt mit den Fragen, die sich Menschen immer stellen, wenn sie noch nie von visuellen Notizen gehört haben: Was sind Sketchnotes, warum sind sie sinnvoll und wofür kann man sie einsetzen?

Wir „alten Hasen“, die schön länger visuelle Notizen erstellen, wissen es natürlich längst: Zweidrittel aller Informationen nehmen Menschen über die Augen auf. Visuell gestützte Informationen merken wir uns besser, das „Mitzeichnen“ fördert außerdem das Aktive Zuhören. Durch das Beschränken auf Kerninformationen hilft Sketchnoting darüber hinaus, das Wesentliche prägnant darzustellen.

Viele Beispiele

Nadine macht dann auch gleich Vorschläge für die Anwendung: Blogposts, Gebrauchsanleitungen, Präsentationsvorbereitung, Postkarten aus dem Urlaub und Reisetagebuch, Einladungen, Neujahrsvorsätze und noch viel mehr.

Ihre Vorschläge sind gleich mit je einem Beispiel bebildert. Bevor man Seite 30 mitsamt der Materialkunde erreicht, ist bereits genügend Zeit, sich an visuelle Notizen zu gewöhnen. Das erste Kapitel endet mit dem ABC der Stifte, Papier und Apps für digitales Arbeiten und fällt knapp aus – für den Einsteiger reichen die Hinweise aber aus.

Inhaltsverzeichnis Sketchnotes für Alles

Die Basiselemente

Im zweiten Abschnitt geht es zunächst um das visuelle Alphabet. Nadine erwähnt Sunni Brown und Ed Emberly, von denen sie sich die Grundelemente „abgeguckt“ hat: Punkt, Linie, Winkel, Bogen, Kreis, Welle, Spirale. Diese Basiselemente finden auch bei Mike Rohde und anderen visuellen Praktikern Erwähnung.

Eine Symbolbibliothek legt sich jeder zu, der regelmäßig Sketchnotes nutzt. So eine Bibliothek lässt sich übrigens in einem speziellen Buch oder auch digital führen, zum Beispiel in einem Tool wie Evernote oder in einem Cloudspeicher wie Dropbox. Es folgen dann im Buch die obligatorischen Beispiele für die Sketchnote-Elemente Container, Rahmen, Pfeile und Aufzählungszeichen.

Menschen und Figuren

Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Zeichnen von Menschen. Erfahrungsgemäß fällt dies vielen am Anfang schwer. Nadine stellt daher Gesichtsformen, die Position und Form der Augen und Ohren und mögliche Frisuren vor. Für die Darstellung von Emotionen hat sie die einfache Gesichtsmatrix von Austin Kleon, Autor des Buches „Steal like an artist“ mit neun Gesichtsausdrücken eindrucksvoll auf 70 erweitert.

Danach geht sie kurz auf Strichmännchen ein. Besonders gefällt mir, dass Nadine die Gelenke und Körperachsen anspricht. Beachtet man deren natürliche Stellung anstatt Figuren mit geraden Beinen und Armen zu zeichnen, dann lassen sich Bewegung und Körperhaltungen sofort authentisch und ausdrucksstark darstellen.

Beispielseite Sketchnotes für alles

Blick ins Buch (Quelle: Nadine Roßa)

Was man noch wissen muss

Auch die Akzente und Schattierungen finden eine kurze Erwähnung bevor es mit den Grundlagen zu Struktur und Aufbau weitergeht. Und schon befinden wir uns in der visuellen Hierarchie: Durch die Größe von Elementen, die Farbe, gesetzte Kontraste, Platzierung auf dem Blatt und die Typographie legt man die Wichtigkeit der Informationen fest.

Schließlich geht es noch um das Lettering und das Zeichnen von Schrift. Sehr schön: am Ende des Buches befinden sich einige Interviews mit Sketchnotern – in Form von Sketchnotes. So bekommt man abschließend einen Eindruck davon, wie unterschiedlich visuelle Notizen gestaltet werden können.

Fazit

„Visuelle Notizen für Alles“ eignet sich zum einen als Arbeitsbuch für Anfänger: Wer sich bestimmte Themen zum Üben vornimmt, kann diese anhand der Erklärungen und Beispiele in kleinen Schritten durcharbeiten. Zum anderen eignet es sich als „Sicherheitsleine“, wenn man mal keine Idee für ein Element hat, das man zeichnen möchte. Natürlich kann man sich aus dem Buch auch viele Anregungen für die eigene visuelle Bibliothek und die Gestaltung eigener Sketchnotes holen.

Sketchnotes
Visuelle Notizen für Alles
Nadine Roßa, 1. Auflage 2017

144 Seiten, Softcover, zweifarbig

Buch 16,99 €
Kindle 13,99 €

ISBN 978-3772482403

frechverlag GmbH

Amazon: Sketchnotes: Visuelle Notizen für Alles: von Business-Meetings über Partyplanung bis hin zu Rezepten

 

 

 

30 Mrz

Rezension: Visual Selling

visual selling cover

Visualisierungen im Kundengespräch zu benutzen ist eine tolle Idee. Die erste Hürde ist die Frage: Kann ich das überhaupt? Man kann es zumindest lernen, wie Miriam und Marko Hamel in ihrem Buch “Visual Selling” beweisen.

Die Autoren

Miriam und Marko Hamel sind beide studierte Informationstechniker. Marko beriet und trainierte bei SAP Deutschland im Pre-Sales in den Bereichen SAP Software und Mobile Business. Außerdem ist er Spezialist für IT-Prozessoptimierung. Seit 2015 hält er Gastvorträge an der HdWM Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim zu visuellem Denken. Miriam beriet und trainierte gleichfalls bei SAP Deutschland zu IT-Sicherheitslösungen und ist als betriebliche Datenschutzbeauftragte ausgebildet. Seit 2015 hält sie regelmäßig Gastvorträge an der IUBH School of Business and Management in Erfurt zu visuellem Denken.

Das Buch

Im Vorwort finden wir zuerst Dan Roam – einen bekannter Visualisierer, Autor des Buches “The back of the napkin” und Berater von Firmen wie Google, Boeing, eBay, Microsoft, Wal-Mart und Wells Fargo. Zudem erklärt Andreas J. Wagner, derzeit Vice President SP Ariba MEE, wie es zu diesem Buch kam: Marko Hamel erhielt den Auftrag, ein Training zu entwickeln, das neue Verkaufstechniken und Storytelling miteinander verbindet. Besagtes Training diente als Grundlage für das hier besprochene Buch. Das Training war gedacht für den B2B-Software-Verkauf. Schon nach dem Durchblättern der ersten Seiten war mir aber klar, dass man aus “Visual Selling” für jede Art von Kundengespräch und Verkaufsprozess hilfreiche Tipps ziehen kann.

Man kann sich mit diesem Buch fit machen, um im Kundengespräch Fragen, Probleme, Lösungen und Arbeitsschritte visuell zu begleiten. Im Angesicht einer digitalisierten Arbeitswelt, die zunehmend zeitlich begrenzte Projektarbeit erfordert und künftig viel mehr Freischaffende mit besonderen Spezialisierungen benötigt, ist so ein Buch ein echtes Fundstück. Denn all diese Projektarbeiter*innen werden sich in Zukunft verstärkt selbst verkaufen müssen. Und wer weiß? Vielleicht geben die Autoren in Zukunft eine angepasste Fassung für die Arbeitswelt 4.0 heraus?

Kommunikation zuerst

Zurück zum vorliegenden Buch. Es ist ein Arbeitsbuch mit vielen Templates, zu denen man mit dem Kauf auch einen Online-Zugriff auf PDF-Downloads erhält. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Visualisierung geht es gleich los mit Tipps zum Auflockern und Vorbereiten auf Gespräche. Ganz im Sinne eines Storytellings führt uns der Charakter Tom Sieger (ja, ich habe auch geschmunzelt) durch grundlegende Kommunikationstechniken.

Als zertifizierter Coach erkenne ich gleich, dass es sofort am Anfang um eine kleine Bestandsaufnahme meiner Gesprächsführungs-Kompetenzen geht. Ein kurzer Blick in das Nachwort bestätigt meine Vermutung, dass im Buch mit den Persönlichkeits- und Verhaltenstypen nach DiSG gearbeitet wird. Dieses Modell basiert auf einer Typologie von William Moulton Marston aus dem Jahr 1928 und war vor knapp zehn Jahren noch Teil der Standardausbildung als Coach. Es klassifiziert nach einem groben Raster Persönlichkeitstypen und Verhaltensmuster und dient in vielen Coaching-Prozessen als Grundlage oder Teilschritt zum Festlegen von Parametern im Entwicklungsprozess von Personen und Unternehmen.

Da ich nicht mehr als Coach arbeite, kann ich nicht sagen, ob es neuere und “bessere” Modelle in den aktuellen Ausbildungen gibt. Ich möchte das Modell auch nicht bewerten – es ist im Rahmen von Trainingskonzepten ein bewährter Bestandteil, der sich vielfältig einsetzen lässt.

 

Inhaltsübersicht. Mit freundlicher Genehmigung durch Autoren & Verlag

 

Gedanken strukturieren

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Macht der Bilder und fordert zum Anlegen einer visuellen Bibliothek auf – in diesem Rahmen wird das “IdeaPix” genannt. Der Fokus liegt natürlich auf Bildern im Rahmen des Vertriebs: Ein bestehendes Bildvokabular erlaubt es, dem potenziellen Kunden unmittelbar Gedanken und Ideen zu visualisieren. Dazu gibt es Anreize, sich mit spontaner Visualisierung zu beschäftigen. Auch hier findet sich das DiSG-Modell, damit man einen guten Zugang zur eigenen Art des Visualisierens findet. Hinweise zu Strukturierung, Grids, Einsatz von Schrift und Farbe runden das Kapitel ab.

Der Vertriebszyklus

Kunden verstehen setzt aktives Zuhören voraus. Das ist keine neue Weisheit, trotzdem findet sich allzu oft in jeder möglichen Form des Marketings (online und offline) immer noch der alte Weg: One-Way-Communication. Sprich: Ich verkauf dir mal was, hier ist mein Produkt. Friss oder stirb. Wir werden nicht nur in den Neuen Medien mit Bildern überschwemmt. Daher ist ein Kapitel wie dieses dritte mit der Aufforderung zum Dialog natürlich ein hervorragender Ansatz: Moderne Verkaufsmethoden mit Kundenzentrierung durch eine zeitgemäße Kommunikationstechnik wie der des Visualisierens zu stützen.

Dieses Kapitel geht sehr intensiv auf die praktische Gestaltung von Dialogen ein und ist das umfassendste im Buch. Es thematisiert den Vertriebszyklus, behandelt die Befragung zur Herstellung eines gemeinsamen Kontextes, analysiert das Verstehen von Aktionen und geht auf Begriffe wie Werte, Identität, Wunsch, Problem und Lösung ein. Der Perspektivenwechsel kommt zur Sprache sowie der Einsatz von Diagrammen. Natürlich geht es auch um das Storytelling und wie man es im Verkaufsprozess einsetzen kann. Das Kapitel schließt mit einem Visualisierungsbeispiel für einen kompletten Business Case.

 

 

Digitale Welt

Kapitel 4 stellt im Ansatz die Möglichkeiten der digitalisierten Welt vor, zum Beispiel die Nutzung von Online-Meetings. Wie richtet man Kamera und Beleuchtung als Moderator / Präsentator gut ein? Es gibt Tablets! Keine Angst, auch damit kann man arbeiten. Enthalten sind grundlegende Tipps für den Einsatz von geeigneter Technik.

Fazit

Man muss kein Anhänger oder Gegner bestimmter Methoden sein: Wenn sie sich im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sinnvoll einsetzen lassen, ist das aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Hier liegt uns ein Arbeitsbuch vor, das sich mit dem Einsatz von Visualisierungen für ein spezielles Gebiet beschäftigt: Der Gestaltung eines erfolgreichen Kundengespräches für den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen.

Als professionelle Sketchnoterin empfinde ich die Visualisierungen als hervorragend schlicht und handlich. Auf Schnörkel und Schönzeichnungen wird verzichtet. Es geht einzig darum, Menschen an die Technik des Visualisierens heran zu führen. Gestützt wird dies durch Templates, die man leicht nachzeichnen oder sogar herunter laden kann.

Dass die Autoren aus ihrem Wissen eine Marke gemacht haben, verwundert nicht. In einer aktualisierten Ausgabe würde ich mir lediglich etwas tiefergehende Erklärungen zum Einsatz von digitalen Tools wünschen.

 

 

Visual Selling – Das Arbeitsbuch für Live-Visualisierungen im Kundengespräch

Miriam & Marko Hamel, 1. Auflage 2016

224 Seiten, Softcover, Wiley-VCH Verlag & Co. KGaA, Weinheim

 

Buch 22,80 € beim Verlag bestellen

Buch 24,99 € bei Amazon bestellen*

ISBN: 978-3-527-50885-3

(* Affiliate-Link, wenn du das Buch über Amazon kaufst, erhalte ich eine kleine Provision)
18 Feb

Rezension: Die Sketchnote Starthilfe

Rezensionsexemplar ist angekommen

Strich-für-Strich-Anleitungen, Übungen zum Nachzeichnen und eine Menge Tipps. Zum Jahresanfang erschien eines der ersten Fachbücher zum Sketchnoting aus deutscher Feder. Für Anfänger ist das Buch „Die Sketchnote Starthilfe“ von Tanja Wehr eine Empfehlung wert.

Ich kann nicht zeichnen

“Beim Start ins Sketchnoter-Leben ist eine Sache enorm wichtig: Man muss sich etwas trauen.” heißt es in der Einführung. Damit hat Tanja Wehr den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn neben dem Zuhören und Mitdenken, dem Weglassen und Komprimieren der Inhalte gilt es auch noch, den einen Gedanken zu überwinden, der den meisten von uns zu Beginn im Kopf herum schwebt: Ich kann nicht zeichnen.

Die Autorin allerdings gibt in der Einführung gleich erste Beispiele und Tipps für den Start. Das Buch ist dann in vier Teile gegliedert: Bildsprache, Schriftarten, Feinschliff und vertiefende Tipps für die Praxis.

Bilderwelten

Im ersten Teil wird in drei Kapiteln ausführlich auf verschiedene Bilderwelten, Menschen und ihren emotionalen Ausdruck sowie auf strukturierende Elemente wie Rahmen, Schilder und Banner eingegangen. Was mir gleich besonders gut gefällt: der Zweifarben-Druck wird geschickt eingesetzt, um in drei bis sechs Schritten zu zeigen, wie man vom ersten Strich zum fertig gezeichneten Objekt kommt.

Auf diese Weise ist es wirklich kinderleicht, sofort beim ersten Versuch Begriffe wie Leuchtturm, Rakete, Schneebesen oder Flaschenpost zu zeichnen. Die Bilderwelten behandeln verschiedenste Themen wie Haushalt, Architektur, Sport, Lebensmittel, Büro, Wirtschaft, Wissenschaft. Da ich seit der Kindheit Science Fiction Fan bin, hat mich besonders das Thema Outer Space angesprochen!

Der Roboter hat Gelenke

Quelle: Die Sketchnote Starthilfe, Auszug. Mit freundlicher Genehmigung von Tanja Wehr & MITP-Verlag

Menschen und Primärgefühle

Das Kapitel Menschen ist sehr kurz, beinhaltet aber das Wesentliche. Beim Zeichnen von Portraits sollte man sich auf grundsätzliche Merkmale von Gesichtern konzentrieren. Für Emotionen auf Gesichtern empfiehlt die Autorin, sich auf Primärgefühle zu beschränken. Bei der Körperdarstellung zeigt sie die anatomische Unterteilung mit den Gelenken auf, wie man sie von den handelsüblichen Zeichenpuppen kennt.

Im letzten Kapitel zu den Hilfsmitteln fehlen mir persönlich die Pfeile, die man als wesentliches Element der Leseführung benutzen kann. Oft sind Sketchnotes nicht nur Dokumentation für Anwesende eines Ereignisses, sondern helfen Interessierten beim Nachvollziehen eines Geschehens, dem sie eben nicht beigewohnt haben. Daher ist es vor allem wichtig, die Leser einer Sketchnote zu führen.

Schrift

Der zweite Teil geht auf die Schrift ein. Blockbuchstaben sind ein guter Anfang: Durch die Höhe, Breite, den Zwischenabstand und die Neigung von Buchstaben ergeben sich schon verschiedene Schriftarten. Sowohl für Blockschrift als auch Schreibschrift stellt die Autorin vier bis fünf verschiedene Beispielsätze vor, an denen man üben kann. Ein kleiner Abschnitt ist dann auch noch dem Handlettering – dem Schönschreiben – gewidmet.

Strich für Strich Anleitungen für Sketchnoter

Die Sketchnote Starthilfe – Cover

Akzente und Struktur

Teil Drei widmet sich dem Setzen von Schatten und dem Einsatz von Farbe zur Akzentuierung sowie dem Aufbau einer Sketchnote. Drei Schemata werden vorgeschlagen, mit denen man als Anfänger gut zurecht kommt: die Cloudwolke mit dem Titel in der Mitte, der chronologische Pfad und die Reihung über senkrechte Spalten – auch Wolkenkratzer genannt.

 

 

Von hier aus geht’s weiter

Im vierten Teil schlägt Tanja Wehr Hilfestellungen für das Live-Zeichnen vor. Einige davon kann man in Vorbereitungen einbinden: Informationen einholen, Titel vorbereiten, Icons vorzeichnen. Sie empfiehlt den Einsatz von Bleistift zum Vorzeichnen und dass man sich an der bestehenden Gliederung von Vortragsfolien sowie der vorhandenen Bildsprache orientiert.

Das Buch schließt mit vielen kleinen Tipps. Ob es um das Anfertigen und Arbeiten mit Schablonen geht, das Anlegen von Icon-Fibeln mit digitalen Tools wie Evernote, dem Üben anhand von Sketch-Rezepten, Sketch-Landkarten und Online-Challenges auf Instagram oder Twitter: von all diesen Punkten aus kann man gut weiterarbeiten, um die eigenen Fertigkeiten Stück für Stück zu erweitern.

Umschlag mit schöner Zeichnung

Die Sketchnote Starthilfe ist da!

Buch bestellen

Für den MITP-Verlag habe ich schon „Sketching User Experiences“ und „Visuelle Meetings“ rezensiert. Der Verlag hat ein großes Interesse an neuen Themen und unterstützt den Bereich Visual nach Kräften. Als Blogger wird man sehr zuvorkommend, aufmerksam und herzlich behandelt. Ich habe mich riesig über die kleinen Zeichnungen auf dem Sendungsumschlag und dem Anschreiben gefreut. Bestellt doch bitte das Buch eher direkt über den Verlag als über Amazon.

Die Sketchnote Starthilfe

Tanja Wehr, 1. Auflage 2016

264 Seiten, Softcover, zweifarbig

Buch 24,99 €, PDF oder EPUB 21,99 €

ISBN 978-3-95845-366-1

MITP-Verlag Die Sketchnote Starthilfe

30 Jan

Sketchnotes öffentlich zeigen?

Sketchnotes öffentlich zeigen

Öffentlich oder geschlossen? Mit dieser Frage sah ich mich kürzlich konfrontiert, als es um das Einrichten einer Fachgruppe zu Sketchnotes auf Facebook ging. Nun plane ich eine zweite Gruppe auf XING. Und auch diese wird öffentlich sein. Aus Gründen.

Optionen für Gruppen auf Facebook

Facebook bietet für die Privatspähren-Einstellung von Gruppen drei Optionen an.

  1. GEHEIM
  2. GESCHLOSSEN
  3. ÖFFENTLICH

Die Option „Geheim“ impliziert, dass ausschließlich Gruppenmitglieder Daten und Postings von anderen ansehen können. Der Unterschied zwischen „Geschlossen“ und „Öffentlich“ ist aus Facebook-Sicht minimal: Postings in geschlossenen Gruppen tauchen nicht im allgemeinen Stream auf und sind in der allgemeinen Suche nicht auffindbar. Sobald man Mitglied einer Gruppe ist, sind aber alle persönlichen Daten und Äußerungen für jedes Gruppenmitglieder sichtbar.

Fakt ist also: Sofern es nicht ein rigides Gruppen-Management gibt, kann quasi jede*r einer Gruppe beitreten und dann alles sehen, was jemand dort macht.

Offenheit: gelernt im internationalen Kontext

Ich hatte meine ersten Sketchnotes auf dem Barcamp Bielefeld gesehen und vor meinen eigenen ersten Gehschritten sogar Anna Lena Schiller über das Graphic Recording  in einem Live-Video auf ununi.TV interviewt. Dazu kamen dann zügig andere Interviews zum Thema Visual Literacy.

Wenn ich meinen persönlichen Werdegang im Bereich Sketchnotes betrachte, dann muss ich sagen, dass ich als Sketchnoter in der internationalen Community „geboren“ wurde. Unter dem Hashtag #todaysdoodle auf Twitter fand ich nicht nur Diskussionspartner zum Thema, sondern konnte über tägliches Zeichnen meine Skills entwickeln. Auf diversen Barcamps habe ich innerhalb der letzten zwei Jahre darüber berichtet.

Im englischsprachigen Raum weltweit sind Sketchnotes schon seit über zehn Jahren fest etabliert. Der Austausch unter Sketchnotern ist dort frei und flüssig: Beispiele aus der täglichen Arbeit über Social Media-Kanäle zu zeigen und auch Fragen zu stellen mit Blick auf Techniken und Anwendung ist in anderen Ländern offensichtlich selbstverständlich.

Deutsche Sketchnoter sind aktiv 1

Viele deutsche Sketchnoter, die intensiv an dem Thema hängen, haben sich inzwischen an die internationale Community angedockt. Das zeigten auch die Tweets zum World Sketchnote Day, der jährlich von Mauro Toselli und Mike Rohde am 11. Januar veranstaltet wird. Laut Mauros Auskunft ist Deutschland der zweitgößte Markt für den Verkauf von Publikationen zu Sketchnotes aus dem englischsprachigen Raum.

Innerhalb der deutschen Community gibt es einige „Early Adopter“. Zunächst diejenigen, die visuelle Techniken schon seit zehn Jahren benutzen. Dann diejenigen, die innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre Sketchnotes für sich entdeckt haben und daraus ein Business machen wollen. Es gibt die ersten deutschsprachigen Bücher für Einsteiger. Und vereinzelt auch Angebote zum Erstellen von Erklärvideos, Einführungen in Lettering und Techniken wie Aquarell oder Tinte. Dazu natürlich meinen On-Demand Kurs für Anfänger, der gerade nochmal überarbeitet und aktualisiert wird.

Deutsche Sketchnoter sind aktiv 2

Aus meinen Offline-Bezügen weiß ich mit Sicherheit, dass Sketchnotes von einer Menge Menschen genutzt werden ohne dass die Betreffenden sich in Social Media exponiert darstellen. (Oder überhaupt online agieren)

Darüber hinaus gibt es auch einfach viele Anwendungsgebiete wie zum Beispiel das Dokumentieren von Meetings oder Kundengesprächen, die man nicht öffentlich zeigen will, selbst wenn man in Social Media aktiv ist. Weil sie Interna in Unternehmen betreffen, die man nicht kommunizieren darf oder will. Ich selbst habe einige solcher Sketchnotes, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben.

Warum also öffentliche Sketchnotes?

Skechnotes – visuelle Notizen – sind nicht nur einfach eine Technik. Dahinter steht eine Bewegung. Sunni Brown hat es als Erste perfekt formuliert: Die „Doodlerevolution“ ist eine globale Kampagne für „Visual Literacy“. Literacy bedeutet übersetzt: „die Fähigkeit zu lesen“ oder auch „Lese- und Schreibfähigkeit“. Hängt man das „Visual“ ran, dann kommen wir auf die Fähigkeit, visuell zu lesen und zu schreiben.

Weltweit läuft klassische Bildung so: man lernt gleich im ersten Schuljahr das Lesen und Schreiben. Buchstaben und Schrift. Man lernt aber nicht das Zeichnen. Um dem „Natürlich Kreativen“ der Kinder gerecht zu werden,  wird ein bisschen gebastelt, der Kopf wird getätschelt und dann gehen wir ganz schnell zum standartisierten Bildungssystem über: Schrift. Wenn du nach den ersten Jahren in der Schule immer noch „kritzelst“, wirst du aber zügig und energisch ermahnt und abgestraft.

Irgendwann in der Mittelstufe des deutschen Bildungssystems (und sicher auch in anderen Ländern weltweit) kommt dann das Fach „Kunst“. Ab da wird Zeichnen erhöht, als besondere Fähigkeit eingeordnet und gleichzeitig in eine exklusive Kompetenz-Ecke geschoben. Hast du Talent? Ah, gut. Dann mal los, beweis dich. Wer als Jugendlicher genügend Standhaftigkeit hat, versucht sich immerhin an Grafik-Design oder vergleichbaren Berufen und landet oft in prekärer Berufslage. (Nicht umsonst gibt es die Künstlersozialkasse in Deutschland).

German Angst

Anja C. Wagner, die einen scharfen Blick auf die deutsche Gesellschaft hat – sowohl mit Blick auf Digitalisierung als auch mit Fokus auf die Bildungslandschaft – nennt das Problem beim Namen. Ich persönlich stimme ihr zu, was die Angst generell zum Thema Digitalisierung betrifft, sehe diese Angst aber auch in der Generation unter Vierzig. Denn für die jüngere Generation ist es nicht so leicht, sich gegen die Sperren der Älteren zur Wehr zu setzen.

Pro’s & Con’s

Wer Visualsieren – und somit Sketchnotes – als etwas begreift, das als Kommunikations-Technik eingeordnet werden kann, hat gewonnen. Und wird sich nicht scheuen, die eigenen Notizen öffentlich zu zeigen.

Wer immer noch in den alten Denkstrukturen hängt und Zeichnen als Kunst ansieht, hat verloren. Und wird Sketchnotes vielleicht im persönlichen Wissensmanagement einsetzen. Er oder sie wird diese Technik aber niemals in berufliche Bezüge hineintragen oder die Idee der Sketchnote-Bewegung weiter tragen.

Das einzige Argument, dass ich bisher gegen öffentliches Zeigen von Sketchnotes gehört habe lautet: Ja, aber… man traut sich ja vielleicht nicht, seine Zeichnungen zu zeigen.

Kopf auf: es geht nicht um Schönheit in der Zeichnung. Es geht um das Transportieren von Ideen, um das Darstellen von Sachverhalten. Es geht um das Kommunizieren. Wie Mike Rohde es postuliert: Sketchnote is about ideas, not art.

Erst der Inhalt, dann die Schönheit

Rob Dimeo, den ich kürzlich exemplarisch für wissenschaftliche Sketchnotes erwähnt habe in einem Beitrag der Ausgabe 4/2016 Forum Neue Medien In Der Lehre Austria mit dem Themenschwerpunkt „Design & Usability im E-Learning“ veranstaltet an seinem Institut cirka alle vierzehn Tage ein Meeting für Mitarbeiter mit einer Hangout-Anbindung für Interessierte aus dem Web. Der vom 27.1. passt hervorragend zum Thema dieses Artikels.

Sketchnotes: Mindset zuerst

Schönheit kommt später

Also

„Frisch d’rüber hinweg! Wer nichts fürchtet, ist nicht weniger mächtig als der, den alles fürchtet.“

(Johann Christoph Friedrich von Schiller, (1759 – 1805), deutscher Dichter und Dramatiker)

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